zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 2. März 2010

Olympia-Nachlese

Bevor sie in Vergessenheit geraten: Nochmals die Olympischen Winterspiele. Denn das Faszinosum, dass all die Disziplinen auch im Krankenhaus existieren, sollte nicht unerwähnt bleiben.

Den Spirit der Olympischen Spiele in die Krankenhäuser zu bringen hat was für sich. Denn die verschiedenen Sportarten werden seit Jahrzehnten auch im Spital praktiziert – warum soll man dem Kind nicht gleich einen Namen geben und die Athleten in Weiß ein wenig ins Rampenlicht rücken?

Zur Eröffnung gehen die Bediensteten jeder Station im Chefvisiten-Rudel durch das Areal. Jede Abteilung trägt die Olympische Ringer-Lösung vor sich her.

Tabletten-Freestyle statt Leitlinien

Jene Kollegen, die mit Vorliebe nicht nur ein Präparat, sondern eine ganze Reihe an Medikamenten verordnen, sind bei den „notorischen Kombinierern“ ganz vorne dabei. Zudem üben sich jene Ärzte, die sich aus Prinzip weigern, nach Leitlinien zu behandeln, im Tabletten-Freestyle.

Eine sehr attraktive Disziplin ist der Biathlon der Turnusärzte, die mit den Blutabnahme-Sets über die gebohnerten Gänge schlittern, die Spritze am Patienten anlegen, fünf mal die Vene punktieren und bei Versagen eine Straf-Runde ums Patientenbett robben.

Bei der Blut-Langlauf-Staffel wird das Blut wiederum von der Abnahme aus der Vene bis zur Auswertung im Labor auf eine abenteuerliche Reise geschickt. Eine Reihe von Läufern bringt die Röhrchen vom Patientenzimmer über den Stützpunkt, über die Krankenhauskantine, über die nette Parkbank im Grünbereich der Anstalt, über das Raucherkammerl letztlich in das Ziel. Gewonnen hat, wer am Schluss den am gründlichsten verfälschten Kalium-Wert erreicht.

Patientencurling der Putzbrigade

Von Patientenseite sind Eishockey – wenn man im kalten Untersuchungszimmer in gebückter Haltung auf den Arzt wartet – zu erwähnen und der Slalom der alten Herren, knapp um die mobilen Infusionsstangen herum. Beim Patienten-Curling, der eleganteren Variante des Eisstockschießens, geht es um den Versuch der Stations-Putzbrigade bei den Aufwischarbeiten, einen zeitgleich über den Gang schlitternden Patienten durch gezieltes Schrubben vor dem Gehgestell möglichst nahe am Schwesterndienstzimmer zum Stehen zu bringen.

Beim äußerst publikumswirksamen Endoskopie-Cross der Gastroenterologen treten vier Kollegen im KO-System gegeneinander an, die gleichzeitig mit ihren Schläuchen am Patientenmund starten und im Zieleinlauf Gallengang um den Sieg kämpfen.

Die strengen Doping-Kontrollen entlarven übrigens jene Patienten, bei denen trotz Verordnung keine Medikamente im Blut nachzuweisen sind.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben