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Foto: Priavt
 
Kolumne Nebenwirkungen 4. Dezember 2008

NebenWirkungen – Doping

Nicht alles was Doping ist, ist gleich Tour de France. Auch abseits dieses allseits beliebten Pharmazie-Rennens finden sich im Sport zunehmend Indikationsbereiche für bewusstseins- und körpererweiternde Drogen. Die Pharma-lympics sollten bald schon salonfähig werden.

In jüngerer Zeit mehren sich die Hinweise, dass auch einige hoch angesehene Kollegen in die Sportskandale verwickelt sein sollen. Ärzte sollen unanständige Medikamente an Sportler verklickert haben. Klingt moralisch nicht ganz einwandfrei, nur: Wer soll es denn sonst tun? Hat ein Bäcker die entsprechende Qualifikation, so etwas fachgerecht weiterzugeben? Ein evidenzbasiertes Doping sollte unbedingt dem Arzt überlassen werden.

Groß ist der Aufschrei, wenn wieder einmal ein junger, aufstrebender Sportler mit reinem Gewissen und unreinem Blut ertappt wird. So etwas sei kein Sport mehr. Es drängt sich jedoch die Frage auf, ob nicht auch ein zweimonatiges Höhentraining am Himalaja, die täglichen Übungen von chinesischen Volksschülerinnen am Schwebebalken (auch Do-ping genannt) oder der Verzehr von Fruchtzwergen mit der Extraportion Milch vor dem Start einen unlaute-ren Wettbewerbsvorteil darstellen.

Wie bei der Formel 1, in der zwar der Fahrer unfallfrei fahren sollte, das Hauptaugenmerk jedoch auf dem Tuning der Motoren liegt, wäre es logisch, wenn Läufer zwar die Beine bewegen, der Körper hingegen durch ein geschultes Medizinerteam optimiert wird. So könnte nur der beste Rennstall, bestehend aus Sportler, Arzt, Pharmazeut und Psychotherapeut zu einem Sieg führen. Das wäre ehrlich und würde zeigen, was alles in den tollen Substanzen steckt, müsste man nicht immer drauf schauen, dass nichts nachweisbar ist. Derart könnten in den Pharma-lympics die Profidoper ihr Können zeigen und sämtliche Streckenrekorde binnen weniger Monate brechen.

Zudem lassen sich auch durch orthopädisches Geschick Sehnen verkürzen, Muskel versetzen oder weitere zwei Wirbel einsetzen lassen, um einen Körper für den Stabhoch-sprung zu optimieren. Da dürfen für die Schwimmer subkutan kleine Luftpolster implantiert, für Boxer eine Knochenplatte vor den Plexus solaris gesetzt oder den Radrennfahrern kleine Elektromotoren in die Hüfte eingebaut werden. Weiterhin moralisch fragwürdig ist es, wenn Ärzte sich selber dopen. Obwohl: Der Betablocker als „Surgeon's little helper“ kann durchaus nach der 70- Stunden-Schicht eine ruhigere Hand im Operationssaal gewährleisten.

Ob es die Dopingmittel in Zukunft in der grünen Box geben wird oder die Substanzen lediglich wie bisher in der gelben Box, Ind: Sportler, zu finden sind, bleibt offen.

Foto: Privat

Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche

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