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Kolumne Nebenwirkungen 16. Februar 2010

Geheime Daten unserer Patienten

 

Dieser Tage verunsichert eine kleine silberne Scheibe die große Finanzwelt. Eine CD, die sich für Steuersünder weitaus unangenehmer anhört, als die neue Scheibe von Lady Gaga.

Dabei ist die ethische Diskussion entbrannt, inwiefern es erlaubt sein kann, nicht ganz legal erworbene Informationen, also Hehlerware, für das hehre Ziel der Überführung von steuerlichen Unpässlichkeiten zu verwenden. Sprich: Darf man jedes schlimme Verbrechen ganz offiziell mit einem ein bisschen nicht ganz so schlimmen Verbrechen bekämpfen?

Diese moralisch irritierende Situation ist nicht nur in der steuerlichen Achse des Bösen Schweiz-Luxem-burg-Österreich-Burkina Faso zu finden, sondern auch im Praxisalltag: Darf ein Arzt vertrauliche Informationen zum Tortenkonsum seiner Patienten, den er zufällig bei Wartezimmergesprächen über die ordinationsinterne Verwanzung mitgehört hat, in die Liste der Ermahnungen aufnehmen? Dürfen Mediziner ihren Schäfchen zum Kühlschrank nachspionieren, am Rauchschwaden-geschwängerten Pullover schnuppern oder – während sich ein Patient um eine ordnungsgemäße Abgabe einer Harnprobe bemüht – in dessen Manteltasche nach den verräterischen Details therapeutischer Untreue kramen?

Die Antwort kann wohl nur ein klares „Ja“ sein! Denn irgendwann, wenn sie es verstehen, werden unse-re Patienten uns dafür dankbar sein. Ganz so wie die Steuersünder.

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