zur Navigation zum Inhalt
Foto: Priavt
Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 27. November 2008

NebenWirkungen – Kassenpleite

Die Kassenpleite muss nicht sein. Blickt man ein wenig mit offenen Augen in die Welt, so entdeckt man eine Reihe von lukrativen Möglichkeiten, die leeren Konten wieder ein wenig auffüllen zu können.

Dass die Kassen knapp bei Kasse sind ist nichts Neues. Neu ist hingegen die Regierung. Die will nun regulierend eingreifen und dabei auch durchaus kreative Wege zur Sanierung beschreiten. (Anm.: „neue Regierung“ bedeutet die Zusammenarbeit von Personen, die an sich nicht zusammenarbeiten wollen, zum Wohle der Zusammenarbeit. Nach dem Stand der Dinge zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Kolumne könnten die Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung, zur Neuwahl oder auch zur Wiedereinführung der Monarchie führen). Die Konzepte für eine positivere Bilanz unserer Krankenkassen umfassen verschiedene Modelle, die aus gut informierten Kreisen an den Autor dieser Zeilen gelangt sind.

a) Modell Somalia – Mit der Entführung von Ausflugsschiffen auf dem Donaukanal lassen sich gute Einnahmequellen erschließen.

b) Modell Flick – Es scheint heu-te in Mode zu kommen, Leichen mit betuchten Verwandten zu fladern und dafür Lösegeld einzufordern. Man hofft hier auf konstruktive Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie.

c) Modell AUA: Die Veräußerung der maroden Kassen um einen Euro an die Deutschen. Dann sollen die sich mit dem ganzen Zeug herumplagen.

c) Modell Videofalle: Die Erpressung von Milliardärsfrauen mittels kompromittierenden Videos scheint en vogue zu sein. An Videos mit einschlägigen Inhalten dürfte es der Kasse nicht mangeln.

d) Modell Licht ins Dunkel: Millionen gehen in kleine, bemühte Initiativen. Dieses Geld könnte dabei um so viel Sinn bringender angelegt werden, wenn man es in den Rachen der Kassen leert. Wenn Kollege Bittner beim Spendenaufruf neben der Krippe mit Ochs (Versicherer) und Esel (Versicherter) mit feuchten Augen auf die besondere Situation der Gebietskrankenkasse hinweist, wird sogar Peter Rapp weich und zückt spendenwillig sein Börserl. Der dazu gedrehte berührende TV-Spot zeigt eine betagte Patientin, die nach vielen Stunden des Wartens in der Spitalsambulanz vergessen wurde und in die verwaisten Gänge ruft: „Ist da jemand …?“ Da bleibt kein Auge trocken und das Geld fließt.

e) Modell Sale-and-Lease-Back – Die Krankenkassen werden an einen russischen Oligarchen verkauft und anschließend zurückgemietet. Guter Ansatz, die Beipacktexte in kyrillischer Schrift sind nur anfangs gewöhnungsbedürftig.

Und schließlich als letzte Möglichkeit:

f) Modell Rien ne va plus – Im Casino lassen sich die Finanzreserven der Kassen mit einem Schlag verdoppeln. Problematisch ist, dass sich die zuständigen Stellen nicht einigen können, ob nun auf Schwarz oder auf Rot gesetzt wird. Die Kompromisslösung, wie bisher auf die Null zu setzten, reduziert allerdings die Gewinnchancen.

Foto: Priavt

Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben