zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 2. Februar 2010

NebenWirkungen - Ländermatch der Ängste

 

Eine nette amerikanische Umfrage zeigte vor einiger Zeit auf, wovor sich die Menschen unterschiedlicher Nationen in Hinblick auf ihre Gesundheit am meisten fürchten.

Die Ergebnisse deckten sich dabei nicht ganz mit den ländertypischen Klischees. So fürchten Franzosen kein langes Leiden durch schlecht zubereitetes Essen, Italiener nicht, von einer Vespa niedergemäht, und Österreicher seltsamerweise nicht, von einem Lipizzaner getreten zu werden. Nicht einmal die Gallier fürchteten sich davor, dass ihnen der Himmel einmal auf den Kopf fällt.

Wovor Menschen verschiedener Nationalitäten Angst haben, lässt sich aus den nackten Daten und womöglich auch Fakten der Umfrage kaffeesudartig herauslesen. Und mit ein wenig Phantasie bestätigen sich die Vorurteile doch noch. So sollen sich 37 Prozent der Ägypter vor rein gar nichts fürchten, die Japaner vor fast allem und die Brasilianer machen sich die größten Sorgen um ihre sexuelle Lust im Alter. Nun, Ägypter hat es eigentlich schon vor dem Urknall gegeben, insofern besteht tatsächlich wenig Anlass zur Beunruhigung, Japaner essen sogar rohen Fisch, um ja gesund zu bleiben, und die Südamerikaner machen ihrem Ruf alle Ehre. Bei den Koreanern bangen 36 Prozent um ihr Aussehen und nennen Falten und Narben als ihre größte Altersangst (ob süd- und nordkoreanische Falten gemeint sind, geht aus dieser Umfrage nicht hervor, im Norden bastelt man jedoch bereits an Botox-Anreicherungsanlagen).

In Skandinavien fürchten sich die Menschen vor allem davor, ernsthaft krank zu werden (was endlich dieses verdammt vorbildhafte Gesundheitssystem erklärt). In Belgien sorgt man sich, den Harndrang nicht mehr unter Kontrolle zu haben (wodurch die aus Brüssel stammenden EU-Verordnungen zur Anzahl erforderlicher Toiletten in neu errichteten Gebäuden erklärbar ist) und die Bewohner der USA fürchten sich nicht, wie man denken könnte, vor der Achse des Bösen, sondern in erster Linie vor Übergewicht. Wobei sich die Furcht schon recht stark an den Hüften der Amerikaner manifestiert hat.

Und während in Indien angeblich die größte Sorge dem Haarausfall gilt – welche Bevölkerungsschichten man da auch immer befragt hat –, sind Deutsche und Österreicher eher unspektakulär farblos in ihrer Furcht: denn Angst vor dem Alleinsein und vor körperlichen Schmerzen geben über die Hälfte der Befragten an, zudem ängstigen sich die meisten von uns vor dem geistigen Verfall mit zunehmendem Gedächtnisverlust. Damit hat das deutschsprachige Mitteleuropa wieder einmal den Hang zur öden Sachlichkeit bewiesen. Und beschämt neigen die anderen Nationen ihre Häupter, die der Manneskraft oder der Haarpracht mehr Bedeutung beimessen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben