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Kolumne Nebenwirkungen 27. Jänner 2010

NebenWirkungen - Nacktscanner zur Diagnose

Die Welt soll sicherer werden. Dennoch ist die Einführung der „Nacktscanner“ auf Flughäfen zurzeit der Aufreger. Dabei wäre dies eine gute Methode für eine flächendeckende Vorsorgeuntersuchung.

Fliegen ist auch nicht mehr das luxuriöse Vergnügen, das es einmal war. Heute ist es ein Spießrutenlauf zwischen CO2-Asche auf das Haupt, vertrockneten Brötchen als Bordservice und Terrorwarnungen. Gegen letztere gibt es heute eine Reihe von Strategien.

Immer ausgefeiltere Sicherheitschecks sollen helfen, Schurken und Bösewichte, die in ihrem Handgepäck Sprengstoff, Faustfeuerwaffen oder unerlaubter Weise mitgebrachte Süßigkeiten in ein Flugzeug schmuggeln wollen, zu überführen.

Zwar galt es bereits seit Anbeginn der Fliegerei als unhöflich, eine nukleare Massenvernichtungswaffe in die Kabine mitzunehmen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden jedoch im vergangenen Jahrzehnt dermaßen verschärft, dass man heute weder Schweizer Messer noch Gabel, Schere oder Licht mitführen darf. Ein seit geraumer Zeit bestehendes Kuriosum stellt die Verordnung dar, nur eine geringe Menge an Flüssigkeit im Handgepäck mitführen zu dürfen. Alles über ein achtel Liter könnte nämlich zu explosiven Mischungen verarbeitet werden. Zudem ließen sich damit die Piloten ertränken.

Und so sieht man vor den Gepäckskontrollen eine Unzahl von Menschen, die literweise Fruchtsaft vor der Vernichtung durch die Sicherheitsbeamten in die eigenen Mägen retten; Frauen, die sich das teure Shampoo zur Gänze in die Haare schmieren; Männer, die sich das sauer verdiente „Chanel Nummer 5“- Mitbringsel aus Trotz und Sparsamkeit über die Körper gießen.

Die nun neueste Errungenschaft für die Flugsicherheit ist eine als „Nacktscanner“ bezeichnete Durchleuchtungsmaschine. Beamte gaffen nun vor den Bildschirmen mit aufgesetzt gleichgültiger Miene auf die entblößten Darstellungen der Reisenden. Hier entfacht sich der Volkszorn und die Menschen drohen damit, die Fluglinien zu boykottieren und kommenden Sommer nach Mallorca zu schwimmen.

Doch diese Krise bedeutet die große Chance, ja ich möchte fast sagen, den Durchbruch für unsere medizinischen Vorsorgeprogramme. Ergreifen die Menschen in der Regel beim Wort „Vorsorge“ die Flucht, so müssen alle reisewilligen Personen vielleicht bald schon durch den Nacktscanner schreiten. So setzen wir ein paar Spezialisten davor, die in einem Aufwaschen über den radiologischen Ganzkörperscan pathologische Veränderungen wie Lymphknotenschwellungen, Darmpolypen oder Plastiksprengstoff im Rektum erkennen und gleich vor Ort behandeln können. Umgekehrt kann man bei jeder durchgeführten Koloskopie Bonusmeilen sammeln, die auf den nächsten Karibikflug angerechnet werden. Sicherheit braucht eben Ideen.

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