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Foto: Priavt
Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 21. November 2008

NebenWirkungen - medizinische Studien

Studien verschönern unser medizinisches Dasein. Auf den ersten Blick lässt sich jedoch nur selten erkennen, was genau mit einer Untersuchung bezweckt wurde. Daher einige Tipps, wie die Impact- geschwängerten Elaborate lesegerechter zu gestalten wären.

Wer nicht nur ärztlich tätig sein will, sondern auch kreatives Gestalten in seinem Stundenplan haben möchte, der publiziert. Möglichst in einem internationalen Journal (von den Österreichischen Zeitgenossen auch „Dschörnal“ genannt) und tunlichst weit vorne in der Reihung der Autoren.

Doch auch in diesem seriösen Sektor bedarf es einer gewissen Werbewirksamkeit des Produktes, um aufzufallen. Sonst landet man mit einem mageren viertel Impact-Punkt in den unendlichen Weiten der Unbedeutsamkeit. So seriös auch die Untersuchung zur „Reinigung und Pflege des Objektträgers bei Zervikal-abstrichen unter besonderer Berücksichtigung klimatologischer Veränderungen im Eprouvetten-Kammerl“ sein mag: Das lockt keinen Besucher in die Abstract-Präsentation der Gynäkologentagung.

Sehr beliebt und fast schon ein „must-have“, um als Landmarkstudie in die Geschichte einzugehen sind Akronyme. Die Anfangsbuchstaben in der wohlfeil gewählten Überschrift werden dabei zu einem sinngebenden und unverkennbaren Schlagwort zusammengefügt. Eine „POWER“- Studie oder die „SUPERSTAR“-Evaluation klingen nun mal nach Inhalten, die es wert sind zitiert zu werden. Allerdings schießt dieser modische Studientrend immer öfter übers Ziel. Denn nicht alle Studien, die „SENSATION“ heißen verdienen es auch, so bezeichnet zu werden. Oft ist die Enttäuschung des Lesenden groß, wenn in der tollen Verpackung ein altbackenes Studiensemmerl zu finden ist.

Auch der an sich schöne Brauch, tatsächlich nur die Anfangsbuchstaben für das Akronym zu verwenden hat sich in letzter Zeit aufgrund mangelnder Kreativität aufgehört. War früher klar, was so untersucht wurde – wenn auch mit Grammatikfehlern – wie „Less urine like usual“ (LULU) oder „Frequent Adipositas in Teenagers“ (FAT), so sind die heutigen Studiennamen als Akronyme mehr als armselig geraten: „Diet for elderly People in a Prospective Evaluation by Randomized Trial“ (DEPPERT) geht ja noch aber: „Hospital qUality in Medicine and aBnorm Use of Golf during working time“ (HUMBUG) ist mehr als holprig.

Dabei wäre eine erfrischende Ehrlichkeit hinsichtlich des Studienzweckes eine nette Geste für die viel beschäftigte Leserschaft. Die „Damit vaporisieren wir die Konkurrenz“-Studie, die „Ich brauch noch ein paar Punkte zur Habilitation“-Untersuchung, die eher resignierte „Was sollen wir denn sonst den ganzen Tag machen, als Erythrozyten zählen“-Study Group, die „Sinnlos aber geil“-Untersuchung oder auch die „Eigene Daten hab ich leider nicht“-Metaanalyse. So kann man die dadurch beim Sichten der Abstracts gewonnene Zeit nutzen, um selber eine Studie zu publizieren.

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Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at

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