zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 9. Dezember 2009

Gerüstet für Katastrophen

Die Welt ist zu gefährlich für unsere Patienten. Zum Glück haben wir Schutzmaßnahmen im Köcher, die ein Fortbestehen des Homo sapiens gewährleisten.

Nachdem wir noch einige Millionen Grippemasken im Lager gebunkert, ebenso viele Tamiflu-Päckchen gehortet und sicherheitshalber auch noch tausende Tonnen Ohrenwattestäbchen für den Katastrophenfall einer Cerumen-Pandemie bereitgehalten haben, stellt sich die Frage, ob wir für die wirklichen Probleme der kommenden Jahre gerüstet sind. So möchte ich den zuständigen Behörden hierfür ein paar wirklich hilfreiche Tipps geben:

Ebbt die Grippewelle ab, so könnte uns mit Beginn der warmen Jahreszeit die Föhn-Welle erreichen. Betroffene leiden unter einem anachronistischen Haarschnitt. Im Extremfall kann der Kopfschmuck vom Keim des Anstoßes zu einem Erreger öffentlichen Ärgernisses mutieren. Diesbezüglich sei die großzügige Anschaffung von Scheren empfohlen sowie die Ausbildung prophylaktisch erfahrener Friseure.

Regelmäßig im Dezember werden mitteleuropäische Städte zudem Opfer der Weihnachts-Standemie. Massive Sprachstörungen der Besucher, ein torkelnder Gang und ein alkoholischer Foetor ex ore machen diese Seuche besonders heimtückisch. Die Infektion erfolgt direkt am Christkindl-Stand über den Wirt, der die Punsch- und Glühweinerreger abgibt. Der Schutz vor einer Alkohol-Intoxikation besteht im forcierten Erbrechen durch ebenfalls dort angebotene Speisen. Ganzjährig hingegen ist mit der Schweine-braten-Grippe zu rechnen. Sie befällt ganze Landstriche, meist um die Mittagszeit. Obwohl der „Schnaps danach“ in Fachkreisen noch umstritten ist, sollten entsprechende Vorräte für das kommende Jahre eingelagert werden.

Seit geraumer Zeit haben wir es mit der Facebook-Seuche zu tun, die massiv die Lebensgestaltung der Infizierten unterminiert. Der nächtliche Drang der Menschheit, mitzuteilen, dass man gerade auf der Toilette sitzt, wird typischerweise von morgendlichen dunklen Augenringen und einer erhöhten Stromrechnung begleitet. Bislang konnte gegen diese Seuche kein effizienter Viren-Schutz gefunden werden. Die Zahl der Geschädigten geht in die Millionen. Damit wenigstens irgendeine Maßnahme getroffen wird, sollten die User bei der Reise in das World Wide Web eine Grippeschutzmaske tragen (in ausreichender Zahl vorhanden).

Vielleicht sollte man auch Aspirin gegen Reisefieber verteilen, bei den Gesundheitsämtern gratis Uppers gegen das ansteckende Morgenmuffeltum und Downers gegen die Sommer- und Winterschlussverkaufshysterie anbieten. So gehen wir gut gerüstet in das junge Jahrtausend. Die Welt ist eben ein zu gefährlicher Ort für uns Menschen. Nichts kann je so harmlos sein, dass wir uns nicht dagegen schützen müssten. Tragen wir nicht sogar Gummistiefel als Schutz vor reinem Wasser? Na eben.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben