zur Navigation zum Inhalt
Foto: Priavt
Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 14. November 2008

NebenWirkungen - Verschönerte e-Card

Nicht nur ein Foto soll die e-Card künftig verschönern. Die Karte kann bis zum Rand mit wertvollen Daten des Patienten angefüllt werden. Dies birgt eine Reihe praktischer Vorteile.

Eine der Nebenwirkungen des ärztlichen Berufes besteht darin, mit den technischen Entwicklungen Schritt halten zu müssen. Auch wenn viele sparsame Kollegen älteren Semesters ihrer guten alten Mehrwegspritze nachtrauern; auch wenn der Aderlass, der schon bei Mozart so prächtig funktionierte, nicht mehr so gang und gäbe ist; und auch wenn man als Landarzt immer seltener mit Eiern, halben Schweinen oder einem Knecht entlohnt wird: Wir müssen uns klar darüber sein, dass diese Zeiten vorbei sind.

Waren die Patienten vor 200 Jahren noch verlaust und verkrätzt, so sollen sie im 21. Jahrhundert vermaust und vernetzt werden. (Und für dieses Wortspiel gebührt mir ein kräftiger Aderlass.) Die elektronische Gesundheitskarte, auf Altösterreichisch auch „e-card“ genannt, ist heute schon nicht mehr aus den Ordinationen wegzudenken. Groß war die Sorge der Bürger und Datenschützer bei der Einführung dieser Innovation, ob denn nicht heikle Informationen über die unbescholtenen Patienten allzu leicht in falsche Hände geraten könnten. Und war diese Sorge die letzten Jahre noch unbegründet, so sprießen nun die Ideen, was man auf die Karte noch alles draufspeichern könnte.

Neben einer Bankomatfunktion – schließlich soll der Arzt gleich seine Scheinchen ins Trockene holen – machen abgespeicherte lebensrettende Daten des Patienten wie Blutgruppe, Allergie oder sexuelle Orientierung absolut Sinn. Das nun diskutierte eingescannte Foto zur eindeutigen Identifizierung des Benutzers überführt Trickbetrüger, die sich – aus dem traditionell kriminellen Osten kommend – in unserem Land unerlaubte Spritzen, CTs und Einläufe verabreichen lassen.

Der neue Datenträger könnte auch eine Billa-Vorteilscard beinhalten, sodass beim nächsten Einkauf die Kasse für Extrawurst, Schokolade oder Alkohol gesperrt wird. Als besondere Serviceleistung dürfen auch keine Nahrungsmittel abgegeben werden, die aufgrund geschmacklicher Wechselwirkungen nicht zusammenpassen – ein Aus für den Tafelspitz mit Ketchup. Mit der Videothek-Funktion werden nur für den Besitzer geeignete Filme abgegeben, um eine unnötige Steigerung des Blutdruckes zu vermeiden. Und letztendlich sparen sich Beziehungssuchende eine Menge Arbeit, wenn lediglich ein Abgleich der auf der Karte gespeicherten genetischen Information zum idealen Partner führt. Neben einem guten Erbmaterial kann man bei Menschen mit hohem Cholesterinspiegel schließlich von ähnlich gelagerten Hobbys ausgehen. Nach dem Homo sapiens spricht man heute schon vom Mensch à la carte.

Foto: Priavt

Von Dr. Ronny Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts

www.peter-teutscher.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben