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Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Kolumne Nebenwirkungen 14. November 2008

NebenWirkungen - Österreich sucht den Super-Doc

„Österreich sucht den Super-Doc“. Casting-Shows sind sehr beliebt und es liegt auf der Hand, auch Ärzte über ein TV-Format auf einen attraktiven Posten zu befördern. Die Zuseher – also die Patienten – sind gefragt, für ihre Lieblinge zu stimmen.

In Anbetracht der nicht ganz nachvollziehbaren Testgestaltung für angehende Mediziner sollte über andere Wege zur Berufserlangung nachgedacht werden. Denn wie oft muss etwa die Fähig-keit „logisches Denken“ in der ärztlichen Praxis angewandt werden? Man muss sich eingestehen, dass es viele komische Dinge zwischen Himmel und Erde, Primar und Assistenzarzt, Klasse- und Kassepatient gibt, die mit einfachen Rechenaufgaben nicht zu lösen sind. Vielmehr sind für den erfolgreichen Arztberuf Empathie, partnerschaftliche Patientenführung, Teamgeist, Schleimen und Ellbogentechnik gefragt.

Und hier setzt das neue Konzept der Ärztefindung ein: Die Casting-Show. Da ich bereits mit Endemol, der TV-Produktionsfirma für Formate, die die Welt nicht braucht, in intensivem einseitigen Kontakt stehe, dürfte es auch bald so weit sein: Ärzte durchlaufen statt einer langweiligen akademischen Ausbildung ein öffentliches Casting.

In der lustigen ersten Auswahlrunde zeigen die Kandidaten einer kritischen Jury, die sich aus der kollegialen Führung (Medizin, Pflege, Verwaltung, Technik und Schuldnerberatung) zusammensetzt, was sie so draufhaben. A capella, also ohne technische Hilfsmittel wie Röntgen, Labor oder Aufschneiden, müssen Krankheiten an Test-Patienten diagnostiziert werden. Die Disziplinen Blutabnahme und Kathetersetzen, für die den Kandidaten freiwillige bereits fertige arbeitslose Ärzte zur Verfügung gestellt werden, sollen für große Lacher sorgen. Wer zuviel kommuniziert oder allzu langem Blickkontakt mit den Test-Patienten hält, hat bei der Fachjury kaum Chancen.

Die zwölf ausgewählten „Med-Maniacs“ haben sich nun live im Hauptabendprogramm zu beweisen. Neben handwerklichen Tätigkeiten wie Rezepte schreiben, Überweisungen ausdrucken oder Anträge an den Hauptverband stellen, geht es nun darum, mit Sympathie beim Publikum zu punkten. Die Patienten dürfen per Telefon unter 144 „voten“ und ihren Liebling in die nächste Runde befördern.

Die Finalisten müssen sich gegenseitig so lange fachliche Inkompetenz an den Kopf werfen, bis einer umfällt. Dem Gewinner winkt ein Kassenvertrag für fünf Jahre, als Trostpreis gibt es eine leitende Stelle im Gesundheitsministerium.

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Von Dr. Ronny Teutscher , Ärzte Woche

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