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Kolumne Nebenwirkungen 3. November 2009

NebenWirkungen - Ich liebe Klischees

Das Bild, das die Bevölkerung von der ärztlichen Berufsgruppe hat, ist recht einfältig und klischeebehaftet. Dennoch muss an den ganzen Vorurteilen doch irgendetwas Wahres dran sein.

Das Klischee ist der nettere Verwandte des Vorurteils. Will man den Menschen vordergründig doch nichts Böses. Man dichtet ihnen höchstens ein paar Schrullen an die Leiber, danach spielen Ärzte Golf unf fahren Patienten ebendieses, sind Chirurgen braungebrannt und Pathologen bleich, Oberschwestern drachoid und Physiotherapeuten stets gut gelaunt. Klischees dienen Satirikern in wunderbarer Weise dazu, ohne große Anstrengungen – alleine mit der Erwähnung von Begriffen wie „Politiker“, „Udo Jürgens“ oder „Priesterseminar“ – ein schmutziges Grinsen auf die Lippen des Lesers zu zaubern.

Doch solche Vereinfachungen sind natürlich kritisch zu hinterfragen. Auch ein Primar hat soziale Gefühle, Internisten leiden nicht automatisch unter neurotischen Kontrollzwängen und nicht alle Orthopäden sind Fleischhacker, sondern vergießen auch mitunter eine Träne, wenn eine Hüftprothese einmal nicht ganz so sitzt, wie sie sollte, oder das bestellte Yachtjournal nicht rechtzeitig einlangt, womit wir wieder beim Klischee wären.

Hier gilt es, mich selber an der Nase zu nehmen und mich klar zu einer differenzierteren Betrachtungsweise der Individuen zu bekennen. Nicht alles ist schwarz oder weiß, und so mancher Ärztekittel trägt eine graue Schattierung. Das Böse unter der Sonne kommt nicht immer vom Hauptverband, manchmal auch vom Ministerium. Nicht alle Schwestern sehen den Einlauf als höchste Stufe der Erleuchtung, und Psychiater sind auch nicht deshalb so gerne mit ih-ren Patienten zusammen, weil sie als Leidensgenossen ihre Probleme und damit auch ihre Psychopharmaka austauschen können. Und auch Chirurgen interessieren sich für die Psyche eines Menschen, so diese operativ zu entfernen ist.

Asche auf mein Haupt, dass ich mich immer wieder ungeniert der Klischees bediene. Ich muss an dieser Stelle reumütig zugeben, dass die in dieser Kolumne regelmäßig publizierten Pauschalurteile nichts mit der realen Ärztewelt zu tun haben. Auf der anderen Seite freut es mich, dass ich es auch in dieser Ausgabe wieder geschafft habe, einen Haufen Klischees unters Volk zu bringen.

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