zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 23. September 2009

NebenWirkungen: Gleiche Qualität bei geringeren Kosten

Das wünschen sich die zuständigen Stellen von den ausführenden Personen im Medizinbetrieb. Die Lösung steckt in einer einfachen physikalischen Formel.

Auch wenn ich Arzt bin, mach ich mir mitunter auch Gedanken. Nicht nur über das Design meiner Praxis, die Ungerechtigkeit der Honorierung oder die beste Buffet-Taktik am Kardiologenkongress. Meine massiv ausgeprägte altruistische Ader lässt mir keine Ruhe, bis ich einen Weg aus der finanziellen Misere unseres Gesundheitswesens gefunden habe.

Was können wir also tun für un-ser kaum leistbares medizinisches System? Die Kostenträger sehen die Lösung in einer Kombination von mehr Outcome bei weniger Income. Dies ist zwar möglich, doch für die Bezieher des wenigen Income höchst demotivierend. Dennoch bin auch ich für eine Steigerung der Effizienz: Anhebung der Geschwindigkeit bei geringerem Verbrauch.

Manche von uns kennen aus der Schule noch die Formel für Geschwindigkeit: Der Quotient aus Weg und Zeit. Oder anders ausgedrückt: Vau (v) ist gleich Es (s) durch Te (t). „V“ wird dabei naturgemäß größer bei großem „s“ und kleinem „t“.

Wollen wir also rascher und damit effizienter sein, so müssen wir zuerst einmal „t“, also jene Zeit, die wir unmittelbar am Patienten verbringen, reduzieren. Die Aufenthaltsdauer am Krankenbett knapp zu halten, ist ohne medizinisch-betreuerischen Qualitätsverlust möglich. Ich habe bereits hier an dieser Stelle den Vorschlag gemacht, redundante, also überflüssige Floskeln im Arzt-Patient-Gespräch wie „Grüß Gott“, „Auf Wiedersehen“, „Kopf hoch“ und „Wird schon wieder“ wegzulassen. Damit lassen sich rund zehn Sekunden pro Patient und Tag einsparen. Bei 1.000 Patienten in einem Krankenhaus bedeutet dies 10.000 Sekunden, also ein Gewinn von rund zweieinhalb Stunden.

Diese Zeit nützen wir, um im gleichen Zug den Weg „s“ zu verlängern. Aus diesem Grund haben die modernen Krankenanstalten heute auch diese enorm langen Gänge, die es uns erlauben, Kilometer um Kilometer runterzuspulen. Man spricht daher vom laufenden Betrieb, in dem der Patient im Mittelpunkt steht. Damit wird er von den laufenden Kollegen umkreist, jedoch nie berührt. Der Patient kommt damit einerseits in den Genuss enormer Effizienz bei gleichzeitig minimiertem Risiko für Behandlungsfehler.

Zwar hatte ich vor, meine grandiose Idee den zuständigen Gremien vorzuschlagen, muss jedoch feststellen, dass sie bereits heute in den Krankenhäusern breiteste Anwendung findet. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben