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Kolumne Nebenwirkungen 25. August 2009

NebenWirkungen - Furcht und Freude

 

Wer sich wehren kann und noch bei klarem Verstand ist, vermeidet in der Regel den Kontakt mit Ärzten. Einzig der Leidensdruck, als ärztlicher Kooperationspartner, geleitet die Schäfchen in unsere Arme.

Die Angst vor dem Arztbesuch sitzt vielen Menschen tief in den Knochen. Da geht es um Respekt, Autorität, die nicht verarbeitete Vaterfigur, die übermächtige Mutter oder einfach die Sorge, durch Unachtsamkeit einen nicht mehr auswaschbaren Fleck auf das makellose Weiß des Ärztekittels zu machen.

Zum Glück hat die Begegnung zwischen Arzt und Patient immer auch eine andere Seite. So fürchten sich viele Kinder einerseits vor dem Besuch beim „ach so netten Onkel“ Doktor. Wirkt dieser doch nur vordergründig verständnisvoll und freundlich, um hinterrücks die Impfung in den Oberarm zu rammen. Die positive Kehrseite ist das Zuckerl danach. Dafür lässt man sich ja auch überreden, mitunter auch mal wie-der vorbeizuschauen.

Im Erwachsenenalter wandelt sich diese Angst in die Furcht, hinterrücks eine grauenhafte Diagnose in den Kopf gerammt zu bekommen. Dennoch lässt man sich immer wieder auf den Arztbesuch ein, kommt man ja auch mitunter in den Genuss einer schönen Krankschreibung oder einer medizinisch indizierten Massage.

Im fortgeschrittenen Greisendasein wiederum besteht die Ängstlichkeit vor allem darin, als möglicherweise zu gesund zu gelten, um tags darauf erneut einen Arztbesuch ins Auge fassen zu dürfen. Die niederschmetternde Diagnose „Wir sehen uns dann in zwei Wochen“ bedeutet eine unendlich lange Zeit des Wartens, bevor man seinem Lieblingsarzt endlich wieder in die Arme fallen kann. So halten sich Vor- und Nachteile des Arztbesuches irgendwie die Waage. Schmerzen werden für Belohnungen in Kauf genommen. Lange Wartezeiten werden akzeptiert, um sich einmal vom Wunderheiler die Spritze auflegen zu lassen.

Beim Thema Vorsorge kann dies jedoch verhängnisvoll werden. Der hohe Einsatz – möglicherweise wird etwas Krankhaftes entdeckt – steht einer potenziell mageren Belohnung – „im Augenblick ist alles in Ordnung, aber man kann ja nie wissen, also achten Sie weiterhin auf Ihre Gesundheit“ – gegenüber.

Ein paar „Zuckerl“ für die vorsorgewilligen Personen in die Waagschale zu werfen, wäre also hier angebracht: Etwa einen Gutschein, der dem Patienten garantiert, beim nächsten Besuch vor allen anderen drangenommen zu werden. Oder Sie verschenken ein paar Ärztemuster mit Viagra, halluzinogenen Substanzen (für ihn) oder Ritalin (für die Kinder). Oder Sie lassen den Patienten einmal den weißen Mantel anprobieren und sich dann mit Ihnen, bis auf die Unterhose ausgezogen, fotografieren ... Ein wenig Kreativität – und die Menschen stehen wie die Lemminge beim Gesundheits-Check Schlange.

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