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Kolumne Nebenwirkungen 5. September 2008

NebenWirkungen: Alles wird teurer

Alles wird teurer: Benzin, guter Rat und auch Medikamente. Kein Wunder also, wenn unsere betagten Patienten des Nachts an den einschlägigen Orten illegal ihre wöchentliche Dosis an Statinen erstehen.

Diese einschlägigen Orte befinden sich übrigens nicht in dubiosen Hinterhöfen, sondern in den Wohnungen der Patienten selbst, die über ein Postkabel direkt mit dem Rotlichtmilieu und der Servicewebsite der internationalen Mafia verbunden sind.
Gefälschte Medikamente aus dem Internet sind der neue Verkaufsschlager. So eine PulverlTransaktion kann schließlich schnell, sowie ohne Rezeptgebühr und Chefarzt, über die Bühne gebracht werden. Die Ware wird nicht im Hafenviertel übernommen, sondern vom Postboten direkt ins Haus geliefert. Das Geschäft blüht, ein Kilogramm ViagraWirkstoff kostet mehr als die gleiche Menge an Heroin. Eine GeldzurückGarantie gibt es selten, zumal die Beweisführung bei einem Versagen der blauen Tabletten nicht ganz unproblematisch ist.
Die Mediziner schlagen Alarm. Denn wer weiß, welches Teufelszeug die Taiwanesen in die Kapseln leeren. So ist es nicht unwahrscheinlich, sich mit einem Antibiotikum auf einen kleinen LSDTrip zu begeben oder sich durch gefälschte Fieberzapferl mit unzureichender Gleitfähigkeit zu verletzen. Doch nicht nur Medikamente werden online verklickert: Billighüften aus Korea; Nadeln, wenn auch nicht neu, so doch sauber abgewischt; oder der SelbstbauHerzschrittmacher mit chinesischer Anleitung finden sich im Sortiment des Versandhandels. Eine Patientensperre, die unseren Schäfchen den Zugriff auf Seiten mit dubiosem medizinischem Inhalt verwehrt, wäre eine geeignete präventive Maßnahme.
Oder wir überlegen uns, ebenfalls einzusteigen. Denn warum soll man so ein lukratives Geschäft international tätigen kriminellen Elementen überlassen? So mancher mittelloser Allgemeinmediziner wird vielleicht versucht sein, sich und seine Familie mit dieser Art des Handels über Wasser zu halten. Und so kneten die heimischen Praktiker abends mit der Verwandtschaft in traditioneller Handarbeit an kleinen Tabletten, drehen Pillchen aus Mehl, Staubzucker und eingeschmolzenen Legosteinen, um diese in wieder glatt gestrichenen alten Blisterverpackungen und kreativ bunt bemalten Schachteln zu horrenden Preisen an die Patienten zu verscherbeln.
Wir Praktiker wären nicht die ersten, die von diesem kriminellen Kuchen mitnaschen. Denn wie man munkelt tauchen bereits jetzt schon gefälschte Ärzte in Öster­reich auf: Billigimitate, die vom Hauptverband über das Internet bestellt und in die Ordinationen gesetzt werden.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 36/2008

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