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Kolumne Nebenwirkungen 26. August 2008

NebenWirkungen: Eine erneute Hiobsbotschaft haut uns Ärzte aus den geliebten Patschen

Eine erneute Hiobsbotschaft haut uns Ärzte aus den geliebten Patschen: Das Verbot, uns funkenschlagend in bequemen Gummischlapfen durch die Krankenhausgänge zu bewegen, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Da kommt man gerade seelisch gereinigt vom Urlaub nach Hause, und schon sieht man sich wieder mit einer geballten Ladung anti-ärztlicher Maßnahmen im Heimatland konfrontiert. Nicht genug, dass man gedenkt, unsere Berufsgruppe bis aufs letzte Hemd zu entkleiden, nun werden uns auch noch die Schuhe von den geplagten Füßen gerissen. Die in den letzten Jahren in Mode gekommene Kunststoffbeschlapfung (aus Wettbewerbsgründen darf der Name „Crocs“ in dieser Kolumne natürlich nicht genannt werden) ist jüngstes Ziel der Angriffe.
Von oberster Stelle wurde – unter dem Deckmäntelchen genormter Sicherheitsvorschriften – in den Krankenhäusern ein Zutrittsverbot für die in poppigen Farben gehaltenen Edelschuhe erteilt. Man stößt sich an der elektrostatischen Entladung der Trendlatscher und die damit verbundene Gefährdung für Mensch und Maschine. Tatsächlich können bei der Abendvisite in der Dämmerung die glühenden Fersen der Belegschaft beobachtet werden. So manch unerklärliche Herzrhythmusstörung, epileptische Anfälle oder Hammerzehen dürften auf die gewaltigen Entladungen der Schuhe zurückzuführen sein. Nun haben wir auch eine Erklärung, warum erfahrene Oberärzte ihren Patienten nie die Hand zur Begrüßung reichen. Und es wird ersichtlich, warum so mancher Kollege ohne ersichtlichen Grund pausenlos „unter Strom“ steht.
Was vordergründig als unbedeutender Schritt für die Menschheit aussieht, ist ein erneuter feindseliger Akt gegen die Ärzteschaft, und es überkommt einem der Drang, warnstreikend auf die Straße zu gehen. Denn wo hört der Eingriff auf unsere Intimsphäre auf? Heute sind es die Schuhe, morgen vielleicht schon die weißen Ärztesocken.
Aufgrund drohender elektrostatischer Entladung ist wohl auch auf synthetische Unterwäsche, Mehrfarbenkugelschreiber und Brillengestelle ohne Blitzableiter zu verzichten. Und dass eine geheim mitgeführte Schokotafel nicht mehr in Alufolie verpackt sein darf, versteht sich von selbst. Auch beliebte Speisen wie Spinat müssen aufgrund des Eisengehaltes und dem damit verbundenen möglichen Funkenschlag aus dem Krankenhaus eliminiert werden. Kollegen, die in einem Einrichtungshaus einkaufen waren und damit für mindestens zehn Tage als wandelnde Tesla-Spule elektrisch kontaminiert gelten, haben sich hinkünftig krank zu melden.
Außerdem: Ärzte, die sich von ihren geliebten Kunststoffprodukten just nicht trennen wollen, müssen nebst dem Schildchen „amtlich bestätigter Sturschädel“ ein Antistatik-Band, wie man es von Kraftfahrzeugen kennt, an die Unterseite des Kittels befestigen und hinterherschleifen.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 30/2008

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