zur Navigation zum Inhalt
 
Kolumne Nebenwirkungen 11. Juli 2008

NebenWirkungen: Schönen Urlaub!

Allen Kollegen, Patienten, Pulverlpressern und -vertreibern, Gesundheitsministern, Hauptverbandsangehörigen, stillen und lauten Kämmerern und natürlich Lesern sei an dieser Stelle ein schöner Urlaub gewünscht.

Zweifelsfrei werden die medizinischen Berufsgruppen einander im Urlaub vermissen. Und es wird wohl auch die eine oder andere sehnsüchtige Träne im Feriendomizil vergossen, ob der mangelnden Durchführbarkeit einer an sich wunderbaren Sado-Maso-Beziehung, die erst wieder im Herbst aufgenommen werden kann. Man kann sich zwar aus der Ferne Schimpfwörter zurufen, die eine oder andere kleine Bösartigkeit an den Hals wünschen, doch Fernbeziehungen sind eben nicht so erfrischend, wie Nahkämpfe.
Als kleiner Kommunikationsersatz dient klassischerweise die gute alte Postkarte. Aufgrund des gelassenen Time-Managements der nationalen und internationalen Post im Sommer und des tragischen Ablebens des Telegramms ist Kontakt nur stark zeitverzögert möglich. Eine rasche Alternative stellt das Kurznachrichtenformat SMS dar. Nicht ganz so romantisch, jedoch effizient. Die Nachricht muss jedoch dabei in wenigen Worten den Inhalt eindeutig rüberbringen. Dadurch kann es passieren, dass einige redundante Floskeln, wie Gruß oder Dank dabei weggelassen werden müssen. Durch plumpe Bestechung eines Mobilfunkbetreibers kam der Autor dieser Zeilen an einige aus dem Urlaub versendete Zeilen:
Ein Hauptverband an die Pharmaindustrie: „Pillen hier günstiger – schmecken genauso gut!“ Ein ÄK-Funktionär: „Bin in Frankreich – Schulung für Demos – Freu mich auf Herbst.“ Ein Patient an seinen Hausarzt: „Hab so komisches Ziehen im Bauch – bitte um Kontaktaufnahme. MMS folgt.“ Ein Pharmaindustrieller aus dem All-inclusive-Resort: „Neuer Wirkstoff entdeckt: Omelette surprise perfektes Laxans.“ Auch der Apotheker sendet begeistert ans Geschäft: „Nehme drei Kanister Adriaschlamm mit. 2mg-Behälter und Pickerl à 12 Euro vorbereiten.“ Ein Internist an die Ärztekammer: „Habe auf der Yacht Echolot. Anerkennung als Fortbildung Sonografie möglich?“ Ein Chirurg an seine Sprechstundenhilfe: „Schlechtes Wetter. Bitte dringend Termin im Solarium vor Dienstantritt vereinbaren.“ Auch ein auf Mallorca weilender Spitalserhalter ist entzückt über entdecktes Einsparungspotential: „4 Menschen trinken aus 1 Eimer – und sind zufrieden.“ Ein Anästhesist, ebenfalls aus Mallorca: „Xhjklööösm879“ (als einer der 4 Eimersäufer tut man sich schwer beim tippen). Auch eine Stationsschwester hat etwas Erstaunliches im Urlaub beobachtet: „Arzt beim Camping wäscht Geschirr selber! Er kann es, wenn er nur will!“
Übrigens kommt vom Allgemeinmediziner keine SMS nach Österreich. Ihm wurde aufgrund mangelnder Liquidität vor dem Urlaub das Handy abgeschaltet.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 28/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben