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Kolumne Nebenwirkungen 3. Juli 2008

NebenWirkungen: Weit verbreitetes Vorurteil

Dass Ärzte für die Ferien lediglich Golfschläger und Bräunungscreme einpacken, ist ein böses Vorurteil – das tun sie unterm Jahr. Für den richtigen Urlaub braucht es mehr Gepäck. Hier eine Check-Liste für die Reise.

Vor der Abreise sollte man sich vergewissern, ob die Praxis ordnungsgemäß zurückgelassen wurde: Ist das Urlaubsschild angebracht? Haben wir alles abgeschaltet oder rotiert in der Zeit unserer Abwesenheit die CT-Röhre in der Ordination? Haben wir die Online-Verbindung zur Kasse gekappt oder noch einen Patienten in der Wartekabine vergessen (bitte nachsehen!).
Mitzunehmen sind Fremdwörterbücher, je nach Urlaubsland: Latein-Spanisch oder Latein-Italienisch. Empfohlen sei auch nachdrücklich der Reiseführer Die schönsten OPs der Welt. Pflicht ist das Mitführen einer Reiseapotheke mit Desinfektionsmittel, Pflaster und mindestens einem Hauptverband. Als praktisch erweist sich das Schweizer Messer für den mobilen Arzt mit allem, was das Überleben sichert: Flaschenöffner, Zahnstocher, Skalpell und Schwester. Je nach Fachausbildung ist es zudem sinnvoll, zusätzliches Equipment dabeizuhaben: HNO-Ärzte ein Otoskop für ins Ohr eingeschwemmte Muscheln, Unfallchirurgen Gipsmaterial für Hals- und Beinbrüche und Hautärzte Kortison – für alles.
Vergessen Sie keinesfalls die Fahne Ihrer persönlichen Ärztekammer, vorgedruckte Ansichtskarten („Sie mich auch“) an die Sozialversicherung, das „Arzt im Dienst“-Taferl fürs Schlauchboot und das Warnschildchen „Infektiös“ zur Belegung der Sonnenliege. Ein mitgeführtes Koloskop eignet sich wunderbar für eindrucksvolle Unterwasseraufnahmen (bitte vorher reinigen!).
Denken Sie an den Defibrillator zur rascheren Erhitzung der Grillkohle, einen Antibiotika-Spray für die ubiquitären Keime im Süden und die „Pille danach“ (= ein Statin nach der abendlichen Völlerei im Hotel); gegen Reiseübelkeit ein Speibsackerl (auch „Kotztüte aut idem“), für schwere Fälle ein „Speibsackerl forte“; des Weiteren Sun- und Magensäureblocker sowie etwas Morphium – als Gastgeschenk.
Eine Pinzette und eine Lupe zur Entfernung von Seeigelstacheln aus Kinderfüßen und zur Analyse des Fleisches beim All-inclusive-Buffet; ein Stirnspiegel – weil er einfach so ärztlich aussieht, und der weiße Mantel, sollte man einmal unerwartet in einen Streik kommen.
Ganz wichtig: Im Urlaub können wir endlich einmal nicht nur Arzt, sondern auch Patient sein. Deshalb sollte man nicht vergessen, eine Patientenverfügung in der Tasche mitzuführen, die im Falle einer Nichtansprechbarkeit gewährleistet, nicht von einem Arzt auf Urlaub behandelt zu werden.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 27/2008

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