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NebenWirkungen: Urlaubsangebote im Spital

Heiße-Preise-Saison im Krankenhaus. Die Buchungslage für den kommenden Sommer sieht schon recht gut aus. Doch ein klein wenig touristische Diktion könnte nicht schaden, um gesundheitsbewusste Patienten in die Spitäler zu bringen.

In den Sommermonaten, in denen der Spitalsbetrieb von einigen wenigen zurückgelassenen Kollegen aufrechterhalten wird, ist die Motivation der Ärzte zu operieren eher gering, die Lust der Patienten, sich operieren zu lassen, noch geringer. Das Interessante an dieser Situation: Die Menschen überleben diese Zeit trotzdem. Doch dies ist ein anderes Thema.
Denn die im restlichen Kalenderjahr sterbenskranken Patienten entwickeln eine große Energie, wenn es darum geht, die türkischen All-inclusive-Buffets zu plündern. Und so sollte es im Gesundheitssystem die Möglichkeit geben, die Romantik eines Urlaubs auch auf die Krankenanstalten zu übertragen.
Statt einfach Last-Minute zur Aufnahme zu wanken, kann man sich über entsprechend formulierte Angebote bereits zeitgerecht Appetit auf einen erholsamen Klinik­aufenthalt holen: „Lernen Sie fremde Sitten kennen und bewundern Sie das Naturwunder Oberschwester. Mit Medikamenten aus der Region.“ Man könne die exzellente und bodenständige Chirurgie genießen, die kulinarischen Ergüsse der Internen Abteilung versuchen oder eine der vielen folkloristischen Darbietungen in Form der Chefvisite miterleben.
Zur Wahl stehen Pauschalaufenthalte oder Abenteuerurlaube, bei denen man sich selbst von der Station zum Röntgen durchschlagen muss. Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich All-inclusive-Angebote: Eine große Speisenauswahl an Normal-, Diabetiker- und Rohkost steht zur Verfügung. Alkoholfreie Infusionen sind gratis, härtere Lösungen gibt es gegen Aufpreis. Einfühlsame Gespräche können beim Deluxe-Arrangement in Anspruch genommen werden, die angebotene Animation ist hingegen für alle verpflichtend.
Bei rechtzeitiger Buchung ergattert man vielleicht noch eine Billigrettung; Dieselzuschlag und Parkplatzgebühren sind am Tag der Abreise zu entrichten. Und auch wenn mal kein Bett frei, die Aussicht auf eine neue Hüfte nicht die beste ist: Über die Restplatzbörse lassen sich immer wieder kurzfristige Schnäppchen ergattern. Wer sich überraschen lassen will, nimmt das Roulette-Angebot: Die halbe Nacht mit der Rettung im Kreis fahren, bis sich ein Krankenhaus erbarmt. Das Captain‘s Dinner – Schonkost auf Fischbasis – wird am Tag vor der Entlassung gemeinsam mit dem Primar in der Kantine eingenommen. Wurde der Aufenthalt im Health-Resort vom Betreuerteam verlängert, so nützen viele Patienten die Buchungsadresse www.jetzt-aber-weg.at.
In jedem Fall empfiehlt sich eine Stornoversicherung – sollte man wirklich krank werden, bevor man in ein Krankenhaus geht. Angenehme Reise!

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 19/2008

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