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Kolumne Nebenwirkungen 30. April 2008

NebenWirkungen: Eignungstest für angehende Mediziner?

Es darf mehr als bezweifelt werden, dass der Eignungstest für angehende Mediziner tatsächlich evaluieren kann, ob jemand das Rüstzeug für einen guten Arzt mitbringt. Das Auswahlverfahren sollte auf die wahren Anforderungen zugeschnitten sein.

Viele hoffnungsvolle Medizinanwärter zieht es aus unserem nördlichen Nachbarland ins Studienparadies Österreich. Dieser Flüchtlingswelle ist allerdings in Form eines erprobten und wissenschaftlich abgesicherten Eignungstests ein Riegel vorgeschoben. Man erhält damit einen Testwert, der „nachweislich hoch mit der Studieneignung korreliert“. Es ist nur fraglich, ob sich der gemeine Patient von einem ehemals „herausragend geeigneten“ Medizinstudenten, nun jedoch griesgrämigen Kommunikationsschwammerl mit zwei linken Händen, behandeln lassen will.
Natürlich wäre es schön, die Albert Schweitzers oder zumindest die Klaus Jürgen Brinkmanns unter den Kandidaten herauszufiltern. Doch da sich der Multiple-Choice-Test auf logisches Denken, Konzentration und räumliches Vorstellungsvermögen stützt, ist er wohl besser zur Identifikation eines Tiefbauingenieurs oder eines Vulkaniers geeignet.
Der Mensch – und damit das hauptsächliche Betätigungsfeld des zukünftigen Arztes – ist hingegen ein äußerst bockiges Wesen auf körperlicher und auch auf geistiger Ebene und pfeift weitgehend auf Logik. Und auch die Verrechnung mit dem Hauptverband hält sich nicht an die mathematischen Grundrechnungsarten.
Um einen standhaften Arzt im Inneren eines Maturanten diagnostizieren zu können, bedarf es daher eines völlig anderen Testverfahrens. So würde eine kleine Rechenaufgabe nach 40 Stunden Schlafentzug die Eignung zum willenlosen Spitalsarzt untersuchen. Bewertet wird neben der guten Miene auch die Bereitschaft, gleich anschließend einen weiteren solchen Test durchzuführen. Zudem benötigt der Proband eine hohe Schmerzschwelle und ein Gespür für Verhörtechnik, um das amikale Gespräch mit der Kasse zu überstehen. Die Kandidaten müssen eine gewisse Nahkampferfahrung mitbringen. Nur so lassen sich die letzten 20 Patienten, die freitagabends nach dem Abpfiff die Ordination stürmen, bewältigen. Auch eine starke Begabung zur Erkennung von Farbnuancen ist erforderlich. Damit ist gewährleistet, dass später das hellgelbe vom nicht-ganz-so-hellgelben Anforderungsformular in der Praxislogistik eindeutig unterschieden werden kann.
Letztendlich ist die sportliche Eignung als Grundvoraussetzung zu sehen, vor allem Hürdenlauf und die Fähigkeit, einen Kassenbuckel zu machen, müssen gut beherrscht werden. Zur Neugestaltung des Auswahlverfahrens planen die medizinischen Universitäten daher, fachliche Unterstützung von den US-Marines einzuholen.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 18/2008

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