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Kolumne Nebenwirkungen 24. April 2008

NebenWirkungen: Einsparung trotz Konkurs?

Die Gebietskrankenkasse meldet Konkurs an und der Rechnungshof schüttelt Ideen aus dem Ärmel, wie man im Gesundheitswesen drei Milliarden Euro einsparen kann.

Als wertvolles Mitglied der medizinischen Gemeinde möchte ich natürlich auch mithelfen, Geld zu sparen. Ein erster Schritt wäre es, in der Ordination auf so redundante Gesprächsfloskeln, wie „Grüß Gott“, „Auf Wiedersehen“ und „Was fehlt Ihnen?“ zu verzichten. So kann die ppm-ratio (patient per minute) bei gleichem Stundenlohn erhöht werden. Auch kann man zur Kostenreduktion im diagnostischen Bereich seine Sinne einsetzen, um etwa eine Tuberkulose zu hören, Zucker und Protein im Harn geschmacklich zu identifizieren oder eine Chlamydie am Gang zu erkennen.
Doch die wirklich großen Finanzbrocken finden sich in den Krankenanstalten. Ist es wirklich nötig, dass in einem Operationssaal vier Ärzte und ein Haufen Schwestern um einen einzelnen Patienten herumstehen? Kein Bäcker könnte es sich erlauben, den Osterstriezel von sieben geschulten Mitarbeitern gleichzeitig anfertigen zu lassen. Einen Menschen mit grippalem Infekt stationär zu behandeln kostet in etwa so viel wie ein schöner Karibikurlaub. Vor die Wahl gestellt, würde sich der mündige Patient für die Fernreise entscheiden – und voraussichtlich auch rascher gesunden.
Es gilt also nun, die möglichen finanziellen Problemzonen in den Krankenhäusern radikal zu straffen. Und gerade in der viel kritisierten Massenabfertigung liegt die Chance auf ein leistbares Medizinsystem: Die Anfertigung von Blutdruckmanschetten für drei Oberarme beschleunigt die Routinearbeit enorm. Statt jedem einzelnen Patienten Blut abzuzapfen, verwendet der sparsame Kollege ein Röhrchen für ein ganzes Zimmer. Ist der Mittelwert in Ordnung, können alle Patienten entlassen werden. Bei erhöhtem Gesamtwert, etwa von Blutfettwerten, lässt sich das Problem mit einem Statin-Raumspray günstig beheben.
Auch ist nicht einzusehen, aus welchem Grund man Menschen nur nacheinander in eine CT-Röhre schiebt. Wir multislicen einfach drei Patienten gleichzeitig. Man erspart sich Zeit und Geld und den Patienten wird der Sparsamkeitswille bewusst. Also, liebe Kollegen, an die Arbeit. Die Kassen belohnen jede findige Idee mit einem Aufenthalt in einem Wellnesshotel, im Sechsbettzimmer.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 17/2008

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