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Kolumne Nebenwirkungen 19. März 2008

NebenWirkungen: Patientenverfügung kann Zeit sparen

Es ist nicht unbedingt vonnöten ein Testament zu erstellen, wenn man in ein Krankenhaus eingewiesen wird. Aber so eine kleine Patientenverfügung hat noch niemandem geschadet. Denn man muss nicht gleich im Koma liegen, um sich dort nicht mehr wehren zu können.

Das Thema Patientenverfügung wird von den meisten Menschen im mittleren Lebensalter verdrängt, gleich anderen Bereichen wie das Sterben, der Fußpilz oder das letzte 0:3 der Fußballnationalmannschaft. Doch man kann gar nicht früh genug damit anfangen, sich um derartige Belange zu kümmern. Dient so eine Patientenverfügung doch „der Vorsorge und sichert die Selbstbestimmung“, wie es so schön heißt.
Jeder Mensch kann sich so eine Patientenverfügung von einem Notar erstellen lassen, alternativ auch ein Formular im Internet downloaden, das von zwei unabhängigen Hackern bestätigt wird. Mit diesem Schriftwerk können bestimmte medizinische Behandlungen im Voraus abgelehnt werden. Sie ist für Situationen gedacht, „in denen Patienten später ihren Willen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausdrücken können - zum Beispiel weil sie nicht mehr fähig sind zu kommunizieren.“ So steht’s geschrieben.
Einer meiner Patienten, dessen Leber gerade in die Mühlen des lokalen Krankenhauses gekommen war, bestätigte mir, dass er sich bei seinem Spitalsaufenthalt tatsächlich nicht in der Lage sah, zu kommunizieren – schlicht und ergreifend deshalb, weil es dort niemandem gab, der mit ihm kommunizierte. So war er ähnlich intensiv in den Entscheidungsprozess zu seiner Genesung eingebunden, wie ein durchschnittlicher Wachkoma-Patient. Damit schien mein Patient im Prinzip die Voraussetzungen für das Inkrafttreten einer Patientenverfügung zu erfüllen.
In dieser Verfügung lassen sich einige Wünsche bereits vor Antritt der Krankheit bekannt geben. Und so bat mich mein Patient, mit ihm gemeinsam einen solchen Wunschzettel für den kommenden Spitalsaufenthalt zu erstellen. Dabei hielt er etwa fest, nicht länger als zwei Werktage im Nachthemdchen am Rollwagerl sitzend, auf eine Röntgenuntersuchung im Keller warten zu müssen. Auch das überraschende Wegziehen der Bettdecke durch den Oberarzt, zur Demonstration des beeindruckenden Hautausschlages im Genitalbereich für die 30 anwesenden lernbedürftigen jungen Kollegen und aller Zimmergenossen, sollte durch diese Verfügung untersagt werden. Man möge ihm zudem seine Diagnose mitteilen, bevor sie seine Verwandten, die Dame am Zeitungsstand und das Gemeindeamt seines Heimatortes erfahren. Des Weiteren verfügte er, man solle auf eine lautstarke Auflistung seiner Körperausscheidungen, deren Frequenz, Konsistenz und kontrollierte Abgabe bei der Visite verzichten.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 12/2008

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