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30. März 2011

Gewichtige Probleme

Wissen ist gut, Nicht-Wissen aber manchmal angenehmer. Unser Freund J., der meint, bereits an allen Zipperlein, die die Forschung identifizieren und benennen konnte, sowie einigen hunderten bis dato – zu seinem großen Unmut – unerforschten Symptomkomplexen erkrankt zu sein, war sich bisher in Bezug auf seinen Körper lediglich zweier Dinge sicher: 1. Die leibliche Hülle verhält sich zu Krankheiten wie der magnetische Nordpol zu Eisenpartikeln. 2. Immerhin ist wenigstens das Körpergewicht im Normbereich. Ersteres stellt J. sicher, indem er in seiner Freizeit viele medizinische Ratgeber liest, Letzteres, indem er täglich auf die Waage klettert – je nach Befindlichkeit vor oder nach dem Essen, meistens aber vorher, nachher und auch einmal zwischendurch.

Marine Abenteuer

Durch seine Freundin genötigt, geht er neben seinen vielen Krankheiten auch noch anderen Hobbys nach, zum Beispiel dem Tauchen. Nun ist es aber so: Wer hierzulande 40 wird, ein Schicksal, das J. heuer ereilte, kann nicht mehr einfach tauchen gehen, sondern braucht dazu eine regelmäßige sportmedizinische Untersuchung. Also besuchte J. einen exzellenten Sportmediziner – auch in der Hoffnung, dass der teuer selbst finanzierte Experte endlich den vermeintlichen Parasiten, der ihn seit dem letzten Sushi-Essen quälte, lokalisieren könnte. Zu seiner Enttäuschung interessierte sich der Arzt aber nicht für marine Eindringlinge, zu seinem wachsenden Entsetzen begann er stattdessen, Fettfalten zu vermessen, und kam zu dem Schluss, dass J. etwa vier Kilogramm abnehmen sollte.

Mit Sicherheit wusste der Herr Sportmediziner nicht, was er da tat, welche Konsequenzen seine Aussage nach sich zog und welche Einschränkungen er mehreren Menschen mit dieser Diagnose auferlegte. J. und seine Freundin – denn warum etwas alleine machen, wenn man auch andere damit quälen kann? – begannen die Kohlsuppen-Diät, sehr rasch gefolgt von der Reis- und deutlich später schließlich von der Null-Diät.

Nachdem sie beide erfolgreich einige Kilo zugelegt hatten, gaben sie schließlich auf und werden sich in Zukunft an anderer Stelle auf das Nötigste beschränken: J. wird sich jetzt konsequent nur noch vor dem Essen wiegen, und beide werden nicht mehr tauchen. Denn nach der vielen Enthaltsamkeit sind sie zwar noch immer schwer genug, um von einer Strömung erfasst zu werden, aber nicht mehr unbedingt fit genug, um ihr auch wieder zu entkommen. Außerdem wird J. jetzt wieder eine Weile nur mehr seinen Hausarzt besuchen – der könnte die Fettfalten zwar auch vermessen, ist aber erfahren genug, solange das Problem nicht wirklich gewichtig wird, die Finger davon zu lassen.

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