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23. Februar 2011

Heißes Eisen

Wer Spinat aufgrund des ihm zugeschriebenen hohen Eisengehaltes gegessen hat, der lag eine Kommastelle daneben. Wie auch das profil kürzlich in seiner Titelgeschichte zu den Medizinlegenden erklärte, geht die Angabe des hohen Eisengehaltes auf einen Irrtum zurück – ein kleiner Fehler, und Generationen von Kindern mussten die grüne Pampe essen, statt damit, was vielen Kindern näher liegt, Spinattunnel unters Spiegelei zu graben. Der Comic-Matrose Popeye hat also ganz umsonst Spinat gefuttert.

Oder doch nicht? Eine aktuelle Untersuchung des schwedischen Karolinska Institutes zeigt, dass das Spinat-Essen vielleicht doch nicht ganz vergebens ist: Die Autoren vermuten, dass die bisher eher in schlechtem Ruf stehenden anorganischen Nitrate im grünen Blattgemüse unter anderem die Leistung der Mitochondrien erhöhen (Filip J Larsen et al.: Dietary inorganic nitrate improves mitochondrial efficiency in humans, Cell Metabolism, 2 Feb. 2011). Drei Tage Spinat und die Zellkraftwerke arbeiten effizienter, verbrauchen weniger Sauerstoff und produzieren mehr ATP. Auch wenn der Bizeps also nicht wie bei Popeye sofort aus dem Arm springt, könnte das Work-Out im Fitness-Center immerhin etwas bessere Ergebnisse bringen.

Vom Essen zum Besteck

Während der Comic-Held seinen Spinat einfach aus der Dose drückt, greifen wir ganz gerne zu Messer und Gabel. Harry Brearley, exakt vor 140 Jahren, nämlich im Februar 1871, geboren, entwickelte im angelsächsischen Raum (in Deutschland war die Firma Krupp schneller) den rostfreien Stahl für unser Besteck, das – im Gegensatz zu Spinat – eine ganze Menge Eisen enthält.

Auch Brearleys Zeitgenosse, der amerikanische Entdecker Robert Peary, der übrigens im Februar 1920 verstarb und den Nordpol vielleicht, aber wahrscheinlich eher doch nicht als Erster erreichte, ist in diesem Zusammenhang interessant. Wie andere Polarforscher vor ihm fand er, dass die von ihm besuchten Inuit, obwohl sie die Metallverarbeitung nicht beherrschten, über Messer, Harpunen und Speerspitzen aus Metall verfügten. Eisenmeteoriten hatten das Material dazu geliefert – zumindest bis Peary sie mitnahm und verkaufte.

Von der Hand in den Mund

Aber zurück zum Spinat und der Entscheidung zwischen Essen und Tunnelbau: Machen Sie doch einfach, was Sie wollen! In Österreich wird uns die Großzügigkeit mit sich selbst ohnehin vorgezeigt: Da belohnen sich Freunde von Freunden von Freunden in politischer Führungsposition, dass einem schwindelig wird – eine Million hier, ein paar Hunderttausend da – Kommastellen sollten bei erbrachten Leistungen wirklich keine Rolle spielen. Außer natürlich wir reden hier um den heißen Spinat.

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