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Foto: photos.com
 
15. Februar 2011

Grassierende Demenz

Im vergangenen Jahr publizierten einige Biologen einen Bericht zur Evolution des Springens bei Fröschen, der vermutlich – zu Unrecht, wie ich finde – keine großen Wellen geschlagen hat. Essner et al. kommen in ihrer Arbeit (Landing in basal frogs: evidence of saltational patterns in the evolution of anuran locomotion, Naturwissenschaften (2010) 97:935–939, DOI 10.1007/s00114-010-0697-4) nämlich zu einem faszinierenden Schluss: Die Frösche entwickelten den Sprung, bevor sie die Landung perfektionierten. Das bedeutet, dass zu Wasser und zu Land die beste, um nicht zu sagen einzige Landetechnik, welche die urtümlichen Frösche der Familie Leiopelmatidae beherrschen, noch immer der gewöhnliche und auch für die Frösche ungemütliche „Bauchfleck“ ist.

Bruchlandung

Mit derart kurzsichtigen Aktionen liegen diese Frösche aber fast schon wieder im Trend. Denken wir zum Beispiel an die in dieser Jahreszeit noch ausschwärmenden Skifahrer und Snowboarder, die auch mitunter in die Verlegenheit geraten, auf ausgefeiltere Techniken verzichten zu müssen und sich auf den Aufprall beschränken. Weil die Wintersportler, im Gegensatz zu den Leiopelmatiden, keine Knorpelschilde mit sich führen (die Nase zählt nicht), sind sie aber nach unsanfter Landung oft auf ärztliche Hilfe angewiesen.

Sei kein Frosch

Gott sei Dank hat es sich in der Medizin bewährt und großteils durchgesetzt, zuerst zu überlegen (links oder rechts, radikal oder banal etc.) und erst danach zu handeln. Aufgrund dieser Fähigkeiten sind die österreichischen Ärzte vielleicht besser als andere Berufsgruppen geeignet, die möglicherweise ansteckende, hierzulande grassierende Demenz korrekt zu diagnostizieren und Therapievorschläge zu unterbreiten. Denn noch ist ungeklärt, wie wir Betroffene, die erst Geld kassieren und sich später nicht mehr erinnern, was sie dafür getan haben könnten, und die – mit Millionen am Sprung – eine Bauchlandung erleben, behandeln werden.

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