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16. November 2010

Licht und Liebe

Kennen Sie die Geschichte von der Lichtnahrung ? Sie geistert gerade durch die Kinosäle und besagt im Wesentlichen, dass wir uns das Essen eigentlich auch sparen könnten, denn im Grunde seien wir auch nur Pflanzen auf zwei Beinen. Chemisch ist das jetzt eine echte Herausforderung, denn während Pflanzen vorzugsweise in grünen Varianten wuchern, um Sonnenlicht ordentlich zu verdauen, sind wir, wenn „grün im Gesicht“, nicht gerade auf der gesundheitlichen Höhe. Aber bitte, Chlorophyll ist vielleicht überbewertet, könnten die Lichtnahrungsanhänger argumentieren.

Versuche in autotropher Lebensweise

Persönlich habe ich noch niemanden getroffen, der nicht essen müsste. Die meisten finden – unter Verweis auf die evidente Todesfolge – sogar den Gedanken, es überhaupt zu versuchen, eher abwegig. Kürzlich konnte ich sogar H., die dünnste Person in meinem Umfeld, zu einem aufschlussreichen Kommentar bewegen: „Wenn wir uns das Essen wirklich sparen könnten, wäre ich doch die Erste, die es bleiben ließe!“

Ein Blick auf ihre Unterschenkel (Umfang drei Portionen ungekochte Spaghetti) und jeder sieht: Es ist ihr Ernst. Sie argumentiert nicht unschlüssig, dass ohne Nahrungsaufnahme eine ganze Menge lästiger Aufgaben (einkaufen, kochen, abwaschen, putzen etc.) wegfallen und viel Zeit frei werden könnte. Da aber selbst H.‘s Versuche in autotropher Lebensweise sämtlich gescheitert sind, bleibt die Sache mit der Lichtatmung weiter suspekt.

Der Welttoilettentag

Jetzt hat die Nahrungsaufnahme aber auch einen anderen, verschwiegeneren Aspekt, der unweigerlich damit zusammenhängt: das wieder Ausscheiden. An einem Tag, dem Welttoilettentag am 19. November, wird es allerdings feierlich begangen, um Aufmerksamkeit auf die mehr als 42 Prozent der Weltbevölkerung zu lenken, die nicht über ausreichende Sanitäreinrichtungen verfügen.

Die Lichtatmer hätten hier großartige Möglichkeiten zur Kollaboration – mit einem Schlag könnten sie nicht nur Mangelernährung und Hunger beseitigen, sondern auch Cholera und Co. endgültig erledigen. Kein einziges Ereignis in der ganzen Geschichte der Menschheit hätte größere Konsequenzen als ein umfassender Verzicht auf die Nahrungsaufnahme: Küchen, Vorratsräume und Toiletten wären plötzlich unnötig, wir bräuchten lediglich noch Schlaf- und Arbeitsplätze. Köche wären obsolet, ebenso Bauern und wahrscheinlich sogar einige medizinische Disziplinen, Adipositas und Folgeerkrankungen – kein Thema mehr! Soziale Gefüge und ganze Staaten gerieten ins Wanken, wenn sich Hausfrauen statt dem Kürbissuppenrezept zum Beispiel der Schmetterlingskunde zuwenden würden.

Solange wir aber nicht von Luft, Licht und Liebe leben können, bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter zu essen, zu kochen, zu schrubben. Und während hierzulande über das „stille Örtchen“ der Mantel des Schweigens und eine regelmäßige Wolke Desinfektionsmittel gebreitet werden, ist der unhygienischste Ort inzwischen das Spülbecken in der Küche, unser ekligstes Besitztum der Küchenschwamm.

Auf dem zweiten Platz meiner persönlichen Hitliste der Dinge, die ich nie wissen wollte, weil ich sie dann nie wieder vergessen kann, rangieren Kopfkissen, die nach etwa sechs Jahren Gebrauch zu einem Zehntel aus Hautstückchen, Getier, Leichen und Fäkalien bestehen. Vielleicht könnten die Lichtatmer klein starten und zunächst die Milben bitten, aufs Fressen zu verzichten.

 

 Webtipp: www.worldtoilet.org

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