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Foto: photos.com
 
 
27. Oktober 2010

Die Unterhosen des Grauens

Über Unterhosen wird in der medizinischen Fachpresse vermutlich zu wenig berichtet. Bevor sich die Patienten ins Untersuchungszimmer begeben, sind sie selbstverständlich bekleidet; bei der Behandlung sind sie ein Exemplar Homo sapiens – lateinisiert distanziert bedarf die Zugehörigkeit zu den Mammalia keiner weiteren Bedeckung.

Aber während die Hüllen fallen, kommen nicht immer nur die Highlights der Dessousentwicklung zum Vorschein; manchmal offenbart sich auch, wer lediglich eine Distanzbeziehung zu seiner Waschmaschine pflegt.

Auch das Palmers-Personal ist nicht immer bei der Hand, wenn es um Unterwäschefragen geht. Selbst hier ist der behandelnde Arzt oft auf sich allein gestellt und muss eine beratende Funktion in Sachen Unterbekleidung übernehmen – und das spontan, ohne besondere Vorkenntnisse in der Spitzenproduktion, mitten im Nachtdienst und auf nüchternen Magen!

Ein schwach entwickelter Geruchssinn ist dabei oft vorteilhaft – etwa wenn es gilt, den Mann, dessen Unterhose anhand der Jahresringe schon eine Chronologie seiner Hauptmahlzeiten der letzten Jahre aufdrängt, darauf hinzuweisen, dass dreizehn Schattierungen von braungrün auf weißem Grund seine Chancen auf einen Sexualkontakt in diesem Jahrtausend weiter gering halten könnten.

Dabei sind derlei Einmischungen zwar manchmal notwendig, aber nicht immer beliebt. Eine Patientin, die ihrer Gynäkologin sehr lang und sehr ausführlich von ihrer – sicher sehr unangenehmen – Ausflussproblematik berichtete, schloss ihren halbstündigen Vortrag mit den Worten: „Es ist sogar so schlimm, dass ich jetzt jeden Tag die Unterhose wechseln muss!“ Die Ärztin versuchte noch, sich jede Äußerung zu verkneifen, aber die 30 Minuten detaillierter Erzählung hatten ihre Abwehrkräfte geschwächt. „Tatsächlich? Wie oft wechseln Sie Ihre Unterhose denn sonst?“, hörte sie sich fragen, als die Patienten auch schon indigniert schnaubend aus dem Zimmer trabte. Schließlich war sie gekommen um über ihre Probleme zu sprechen, nicht über ihre Unterwäsche.

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