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12. Oktober 2010

Flucht nach vorne

M. kann, so scheint es, zur Zeit nicht einmal unfallfrei die Straße überqueren. Im Sinne der Prävention von Spätfolgen bräuchte sie mittlerweile einen Krankenwagen, der sie beschattet, sobald sie das Haus verlässt, und einen Trupp Sanitäter und Mechaniker, die sämtliche Teile, die auf Kreuzungen ausgestreut werden, gleich wieder einsammeln.

Auf Bali entgleiste ihr Moped, zu Hause riss ihr ein gestresster, querschießender Biker das Fahrrad unter den Füßen weg. Beide Male wurde derselbe Ellbogen lädiert. Das balinesische Moped blieb fahrtüchtig (gefahren war es ohnehin immer, nur bremsen wollte es nicht); das Wiener Rad gab den Geist auf, warf pathetisch die Kotschützer von sich und konnte nur mehr schwindlige Achter schlingern.

Getröstet wurde M. von ihrer Zahnärztin, die sie aufsuchte, weil sich ihr Gebiss unter der Einwirkung einer Zahnspange anfühlte wie seinerzeit lockere Milchzähne, die jeden Moment von der Zahnfee abgeholt werden. Die Zahnärztin beruhigte M., dass sie sich ob der freien Platzwahl in ihrer Mundhöhle keine Sorgen machen müsste. „Sie sagt, ich hätte jetzt ‚mobile Zähne‘“, erklärte M. und beschloss, die Flucht der Beißer nach vorne hoffnungsvoll zu interpretieren. „Vielleicht“, sinnierte sie, „könnten sie demnächst sogar alleine mit der Straßenbahn fahren, dann muss ich nicht mehr vor die Tür.“ Den nächsten Urlaub, das ist bereits beschlossene Sache, planen die Zähne jedenfalls schon ohne M.

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