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25. August 2010

Heißes Thema

Im Juli überschlugen sich, wie schon letzte Woche an dieser Stelle kurz erwähnt, die Pressemeldungen, Sendungen, Berichte und Experten-Statements zum Burn-Out. Endlich hatten alle einmal Luft genug, anzusprechen, was sie sonst nicht zu Atem kommen lässt.

Dabei haben wir unter anderem gelernt: Burn-Out ist die Hysterie von heute. Es ist außerdem wie eine Steuerprüfung – es kann jeden treffen. Dabei hat Burn-Out einen Prestige-Zusatznutzen, von dem alle profitieren und der besonders Männern hilft, auch einmal über eine psychische Schwachstelle zu reden. (Über Fußpilz, an dem ja auch viele laborieren, wird ja vergleichsweise weniger diskutiert, vermutlich, weil ihm nur Socken und nicht das Flair elitärer Arbeitskraft anhaften. Für ein ordentliches Burn-Out dagegen muss man sich schon richtig engagieren, ein Burn-Out kann man sich verdienen.)Spätestens im Juli haben wir auch gelernt, dass Psychologen nicht nur sehr gut ausgebildet sind, sondern überhaupt demnächst die Welt (mindestens vor dem Burn-Out) retten werden.*

Dasselbe haben dann auch Psychotherapeuten, Ärzte, Politiker, anderweitig Berufene und überhaupt alle, die meinten, etwas sagen zu müssen, erklärt. Bleibt zu hoffen, dass sich nach dem Sommer auch noch einige daran erinnern, denn teure Erholungszentren für die Elite und die Empfehlung, ruhiger zu treten (die in den meisten Fällen in etwa so passend ist wie einem Depressiven zu sagen, er möge für das Foto-Shooting der Lach-Yoga-Truppe posieren und dabei besonders natürlich lächeln), werden möglicherweise nicht reichen.

 

* Wären Psychologen und Psychotherapeuten schon früher in der Menschheitsgeschichte zu Rate gezogen worden, dann wäre ja bereits die Sache mit dem Paradies anders gelaufen: Ein Mediator hätte Gott recht schnell erklärt, was wir von autoritären Geboten halten (nichts), Adam und Eva im Gegenzug gebeten, die Schlange wieder vom Grill zu nehmen (die vegetarische Küche bietet ja auch eine große Vielfalt), und hätte dann alle dazu gebracht, als Zeichen ihres Entgegenkommens neue Apfelbäume zu pflanzen und Röckchen aus Feigenblättern zu basteln (man weiß ja übrigens auch nicht, ob Gott ordentlich angezogen war). Und wir würden heute noch im Paradies leben und Apfelstrudel essen.

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