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17. August 2010

Das Sommerloch

Regelmäßig jeden Sommer tun sich in gemäßigten Breiten Löcher auf. Der Eifer der arbeitenden Bevölkerung fällt plötzlich ins Leere, auf Hochtouren funktionierenden Organismen, die lediglich durch die rasche Folge von Deadlines noch zusammengehalten wurden, wird von einem Tag auf den anderen Erholung verordnet. Kein Wunder, dass das alle überfordert.

Gefürchtet ist das Sommerloch deshalb weniger für das, was es verschlingt, als für die unvorhersehbaren Dinge, die es wieder ausspuckt. Im Fall von BP heuer eine Menge Öl. Im Fall meiner Vermieterin die von ihr völlig ernst gemeinten, allerdings auf psychische Komplikationen hindeutenden Äußerungen, dass sie den Anblick meiner trocknenden Wäsche (na gut, gestreiftes Bettzeug ist Geschmackssache – aber weiße T-Shirts?) in unserem gemeinsamen Garten nicht ertragen kann, auf keinen Fall!

Die Medien mussten, wie jedes Jahr, aus solchen Nöten eine Tugend und aus dem Ausstoß des Sommerlochs Meldungen machen. Dabei genügt es wahrscheinlich, stichprobenartig aus einer Juli-Ausgabe der Wiener Gratiszeitung Heute zu zitieren, um das ganze Ausmaß der Medizinberichterstattung erahnen zu lassen, das den Lesern der Ärzte Woche im letzten Monat entgangen sein muss: „Britin allergisch auf Geldscheine“ erklärt da etwa eine Überschrift – und der Text führt aus: „Der Albtraum jeder Frau“. Das pragmatische Fazit: Ihr wird der Einkauf per Kreditkarte empfohlen. Damit erübrigt sich auch eine weitere Therapie, die Frau kann ja problemlos weiter shoppen.

Ganz nebenbei festigten die Kollegen aber immerhin das Vertrauen in die medizinische Grundversorgung unseres Landes (das ja gehörig leiden kann, wenn der Hausarzt der Wahl gerade dann, wenn man ihn mal wieder braucht, sich lieber auf die Spuren der sizilianischen Mafia begibt, statt die Sommergrippe zu bekämpfen) und berichteten: „Arbeiter (32) fällt vom Dach – Spital“. Gott sei Dank – es gibt noch Ärzte, die durcharbeiten!

Was sonst noch war? Heißestes Thema im Juli war wohl das Burn-Out. Gut so, denn im September haben wir alle keine Zeit mehr, uns damit zu beschäftigen!

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