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Foto: photos.com
Reisen kann langweilig werden, wenn alles vorhersehbar ist.
 
 
6. Juli 2010

Pack die Badehose ein!

M. fährt heuer zum Kiten nach Nordafrika. Sie ist nicht nur ganz genau im Bild über Größe, Lage und Ausstattung ihres Hotels, sondern auch darüber, wen sie beim Kiten antreffen wird. Reisen ist langweiliger geworden, seit man schon vor dem Abflug genau weiß, was einen bei der Landung erwartet.

Die größte Unbekannte ist nicht mehr, wie die Pyramiden von Gizeh, wie Machu Picchu oder Angkor Wat aussehen, sondern was Hitze und Luftfeuchtigkeit mit dem Blutdruck anstellen werden, ob der Moskitoschutz die Blutsauger wirklich in Schach halten kann und wie sich die schwelende Mittelohrentzündung auf dem Langstreckenflug entwickelt.

Auch, dass die Darmflora in der Ferne gerne neue Bekanntschaften schließt, beschäftigt viele Reisende und beschert den Daheimgebliebenen dann ganz besonders einseitige Erlebnisberichte wie „Die zehn schmutzigsten Toiletten, die ich besuchen musste“.

Um uns solcherart inspirierte Einblicke in mangelhafte sanitäre Anlagen zu ersparen, pilgerte M. schon vor ihrer Abreise in ein reisemedizinisches Zentrum. Dort trällerte eine fröhliche rundliche Frau in der Warteschlange, dass sie ja stets nur hierher käme, weil sie hier sicher sein könnte, „dass absolut nichts passiert“.

Kurze Zeit später verließ ein großer, dünner, junger Mann das Behandlungszimmer, wankte noch ein paar Schritte und kippte dann wie das sprichwörtliche Brett stocksteif und filmreif nach hinten. Während die Ärzte sich um den am Boden Liegenden kümmerten, hüpfte ein besonders penetranter älterer Reiselustiger um die Gruppe herum, klopfte ihnen permanent auf die Schultern und bestand darauf, auch endlich einmal dranzukommen.

Fremdartig anmutendes Verhalten kann man also auch hierzulande ganz leicht erleben. Bleibt die Hoffnung, dass der Mann wegfährt, um im Urlaub endlich der Mensch zu werden, der er zu Hause nicht ist – entspannt und gelöst …

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