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15. Juni 2010

Schnelles Handeln

Der Nutzen von Vulkanen für die geistige und körperliche Fitness

Noch vor ein paar Jahren haben wir sie kaum bemerkt – und bevor sie unsere Herzen mit Islandpullis richtig wärmen konnten, heizten uns die Isländer ganz anders ein. Und so sind sie nur einen unaussprechlichen Vulkanausbruch später zu wenig beliebter Bekanntheit gelangt.

Dabei sind wir diesmal noch billig davongekommen – die Aschewolke legte lediglich den Flugverkehr lahm, was nur Blutdruck und Hotelpreise in die Höhe trieb. 1783 führte ein Ausbruch der Laki-Krater zum Tod von etwa einem Viertel der isländischen Bevölkerung; in Großbritannien forderte die giftige Asche- und Gaswolke geschätzte 23.000 Opfer. Unvorhersehbar heftige Stürme und extremes Wetter gehörten zu den jahrelang anhaltenden meteorologischen Konsequenzen. In Frankreich führte eine Reihe von extremen Wettergeschehen, an denen zum Teil wohl auch Laki beteiligt war, zu Missernten, Armut und Hunger, die ihrerseits einen Beitrag zum Ausbruch der Französischen Revolution 1789 lieferten.

Schnelle Reaktionen im Getümmel der Flucht

Auch seither kocht und brodelt die isländische Erde, spuckt Schwefel, Lava oder dampfendes Wasser, ist ganz allgemein unberechenbar und hält nicht nur Fluggäste auf Trab. Für die Inselbewohner gehört das Toben der Elemente zum Alltag; sie haben gelernt, heiße Quellen und auch andere – unerwartete – Vorteile zu nutzen, wie aus folgender Geschichte hervorgeht, die mir ein Isländer vor ein paar Jahren erzählte: Als in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Vulkanausbruch kleineren Maßstabes ein Altenheim bedrohte, wurden die Bewohner evakuiert.

Die Hektik war groß; die Senioren bewegten sich langsam, aber sie handelten schnell. Mitten in der Nacht schnappten sich die alten Damen und Herren ihre Brillen, ihre Pillen, Stöcke und Gehhilfen, rafften die Nachthemden, bestiegen ihre Rollstühle und begaben sich an einen sicheren Ort. Der Vulkan aber verschonte die Residenz, und bald kehrten alle zurück.

Was für eine Überraschung, als sich herausstellte: Einige der Alten waren weit rücksichtsloser gewesen als die Naturkatastrophe! Im Getümmel der Nacht hatten sie statt ihrer eigenen die Zähne ihrer Bettnachbarn aus den Gläsern an deren Nachttischen gefischt. Das ging so weit, dass etliche neue Gebisse bestellt und angefertigt werden mussten, denn jeder, der ein gutes Set ergattert hatte, erklärte breit lächelnd, dass er selbstverständlich nur die eigenen Zähne im Mundraum beherbergte. Die Vergehen waren also kein Versehen!

Die Diebstähle waren nicht nur geistesgegenwärtig ausgeführt und womöglich von langer Hand geplant, sondern die Täter zeigten sich auch nicht geständig. Das Klima im Speisesaal dürfte für eine Weile abgekühlt sein.

Europa hat gesprochen

Die Bezeichnung „Vulkan“ wird übrigens von Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers, hergeleitet. In Griechenland übernahm sein Kollege Hephaistos kleinere und größere Schmiedearbeiten. Vulkanische Eruptionen deuteten die Griechen als Zeichen göttlicher Missbilligung. Da mögen die EU-Staatsoberhäupter und Finanzhäuptlinge jetzt sagen, was sie wollen – in den letzten Wochen hat Europa selbst gesprochen.

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