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Foto: Privat
 
26. Mai 2010

As dead as a dodo

„A skeleton in the cupboard“ – eine Leiche im Keller

Nicht nur Knochen, sondern auch einen mumifizierten Kopf und Fuß hat einer der letzten Dodos dem Oxford University Museum of Natural History überlassen. Viel ist nicht übrig geblieben von den truthahngroßen, flugunfähigen Vögeln mit den markant grotesken Hakenschnäbeln, die Seefahrer im 16. Jahrhundert auf Mauritius entdeckten. Denn obwohl sich die europäischen Matrosen unterschiedlich über die kulinarischen Qualitäten der Dodos äußerten (die meisten Kritiken beinhalten den Hinweis auf „zähes Fleisch“): Ein hungriger Seefahrer ist ein hungriger Seefahrer. Und ein plumper, fetter Vogel, der weder wegfliegen kann noch weglaufen will, ist nur eines: Abendessen. (Die Dodos hatten ja keine Ahnung, was die lachenden Männer mit den Pfannen wollten. Das brachte ihnen neben dem Tod auch den Ruf ein, etwas dämlich zu sein.)

Irgendwann um 1700 hatten die Matrosen und die holländischen Siedler, die sie nach Mauritius brachten, dann auch den letzten Dodo aufgegessen, während ihre Schweine, Hunde, Katzen und Ratten zuverlässig dafür sorgten, dass es auch keinen Nachwuchs mehr geben würde. Dass sich der Dodo beim Aussterben so außerordentlich erfolgreich anstellte, zeigt sich auch heute noch in der Phrase „as dead as a dodo“ – was nicht nur „nicht mehr am Leben“ bedeutet, sondern „unzweifelhaft und ohne jede Frage mausetot“.

Der Weg des Dodo

Zur posthumen Bekanntheit des Dodo trug auch der Oxforder Mathematiker Charles Lutwidge Dodgson bei, der das Oxford University Museum oft in Begleitung der kleinen Töchter des Dekans – eine davon Alice Liddell – besuchte. In den Geschichten ums Wunderland, die Dodgson für Alice wob und die er 1865 als Lewis Carroll publizierte, porträtierte sich der stotternde Dodgson (der sich oft als Do-Do-Dodgson vorstellte) selbstironisch als Dodo.

Als solcher begleitet er Alice derzeit – ganz jugendfrei – durch die heimischen Kinos. Ob seine Gesellschaft immer so unschuldig war, wissen wir aber nicht. Immerhin wurde Dodgson 1861 zum Dekan geweiht und zeigte eine Vorliebe zum Fotografieren leicht bekleideter kleiner Mädchen (Kirche verpflichtet?).

Tagebücher und Briefe, die genaueren Aufschluss über Dodgsons Gefühle für Alice und ihre Schwestern geben und die Diskussion zwischen viktorianischer Kunst und persönlicher Neigung entscheiden könnten, sind verschollen, vernichtet oder unvollständig. Das erinnert jetzt ein kleines bisschen an die Dinge, die der Kirche abhanden gekommen sind – Glaubwürdigkeit und so.

Momentan bleibt noch abzuwarten, ob die Vogel-Strauß-Taktik des Papstes gelingt, oder ob schließlich auch die Kirche den „way of the dodo“ geht – obsolet wird und erstaunt ihrem Ende in die Arme läuft.

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