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Neurologie 20. Juli 2015

Babys in Motion

General Movements: Was frühkindliche Bewegungen über das Gehirn verraten.

Das General Movement Assessment (GMA) ist der Goldstandard zur funktionellen Diagnostik des jungen Nervensystems in den ersten fünf Lebensmonaten und zur Prognose der neurologischen Entwicklung von Säuglingen. Forscher der MedUni Graz arbeiten derzeit an der Smartphone-App GMApp, die eine Möglichkeit zur Untersuchung des sich entwickelnden Gehirns sein wird.

General Movements (GMs) gehören zum spontanen Bewegungsrepertoire vom frühen fetalen Alter bis hin zum ersten Lebenshalbjahr. Da sie sehr häufig und lang anhaltend vorkommen, können sie auch in angemessener Weise beobachtet und beurteilt werden. Ist das Nervensystem beeinträchtigt, verlieren die Bewegungen ihren Variantenreichtum und erscheinen sehr monoton und wenig komplex. So führt beispielsweise eine perinatale Hirnläsion zu abnormalen GMs, die dann ihren variablen Charakter verlieren. Die Beobachtung und Analyse dieser kindlichen Bewegungsmuster geben somit u. a. Aufschluss zur verlässlichen Vorhersage der neurologischen Entwicklung.

Die Vorteile des General Movements Assessment (GMA) als prognostisches Verfahren liegen auf der Hand: Da die Methode nur einiger Videosequenzen bedarf, erlaubt sie eine kostengünstige und nicht-invasive Beschreibung der Integrität des Nervensystems und eine gewisse Vorhersage der neurologischen Entwicklung von Säuglingen. Der Säugling wird dafür in Rückenlage auf Video aufgenommen und Experten können aus den, wenige Minuten langen, Sequenzen die Analyse des individuellen Zustands des jungen Nervensystems bestimmen.

Nun entwickelt das Team iDN (interdisciplinary Developmental Neuroscience; www.idn-research.org) rund um Prof. DDr. Peter Marschik und Prof. Dr. Christa Einspieler, Institut für Physiologie der MedUni Graz und Projektleiter, eine Smartphone-App, um GMs weltweit analysieren zu lassen. Für dieses Vorhaben erhielt das Projektteam kürzlich einen Grand Challenges Explorations (GCE-I) Award der Bill & Melinda Gates Foundation verliehen. Unterstützt werden die Forscher von ihren Kollegen an der Klinischen Abteilung für Neonatologie der MedUni Graz, wo unter der Leitung von Prof. Dr. Berndt Urlesberger die Studie begleitet wird.

App auch für Entwicklungsländer

Die GMApp soll vor allem als neue Art der Aufnahme dienen, um so beispielsweise auch Entwicklungsländern den flächendeckenden Einsatz zu ermöglichen. „Die einfache Handhabung der neuen GMApp soll ein für Experten und deren Teams frei zugängliches Detektions- und Interventionsmodell für Kinder mit einem erhöhten Risiko für neurologische Störungen anbieten“, hebt Marschik hervor. Mehr als 5.000 zertifizierte GMA-Diagnostiker stehen weltweit aktuell zur Verfügung, um die per GMApp übermittelten Daten zu analysieren.

In der GCE-1-Phase wird die Entwicklung des Prototypen, dessen Validierung und ein Testlauf in China, Afrika und Südamerika vorangetrieben. Neben der MedUni Graz sind das Karolinska Institutet in Stockholm (Schweden), die Universität Pisa und IRCCS Fondazione Stella Maris (Italien) sowie die Universität Groningen (Niederlande) maßgeblich involviert.

PK/MedUni Graz, Ärzte Woche 28/2015

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