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Münzen werden am häufigsten verschluckt. Gefährlicher sind aber Knopfzellen und Magnete.
 

Abwarten oder nachschauen?

Fremdkörperingestion und Verätzungen: Wann muss endoskopiert werden?

Das Verschlucken von Fremdkörpern gehört ebenso wie Verätzungen zu den alltäglichen Herausforderungen in der Pädiatrie. Dabei geht es vorrangig darum, ob eine Endoskopie notfallmäßig durchgeführt werden muss oder ob zunächst zugewartet werden kann.

„Das Spektrum der versehentlich verschluckten Fremdkörper bei Kindern ist sehr groß“, sagt Dr. Stephan Buderus von der GFO-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Bonn. Das reicht von Münzen, Schmuck und Spielzeugen über Knochen und Gräten bis hin zu Batterien, Knopfzellen und Magneten. Dazu kommen Ingestionen mit Säuren, Laugen und Haushaltsreinigern.

Welche Symptome sind diagnoseweisend?

In 75 Prozent der Fälle sind die Kinder unter vier Jahre und 75 Prozent der Fremdkörper sitzen im oberen Ösophagus. Bei einem Fremdkörper im Ösophagus sollte man immer an eine eosinophile Ösophagitis denken. „In der Regel ist die Situation unproblematisch, wenn der Pylorus passiert ist, mit Ausnahme von spitzen und scharfen Fremdkörpern“, so Buderus. In weniger als zehn Prozent der Fälle komme es zu einer Impaktion im Darm, wobei eine intestinale Fehlbildung, eine vorangegangene Operation und ein M. Crohn das Risiko erhöhen. Risikopatienten sind auch retardierte und suizidale Patienten.

Zu den Symptomen, die auf einen verschluckten Fremdkörper hinweisen, gehören Schmerzen, Dysphagie, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Husten, Stridor, Globusgefühl und Speichelfluss. Gefürchtete Komplikationen sind Erosionen bzw. Ulzerationen, Perforation, Blutung, Obstruktion, Peritonitis, Mediastinitis, Fistelbildung, Abszess und Migration in andere Organsysteme.

Knopfzellen und Magneten sofort entfernen

Münzingestionen, die sich immer radiologisch darstellen, erfordern eine Notfallendoskopie dann, wenn es sich um große Münzen (> 2 cm) handelt, der Patient symptomatisch ist, die Münze im oberen Ösophagus sitzt und/oder der Ingestionszeitpunkt unklar ist. „Ansonsten ist eine Beobachtung und Kontrolle nach 12 bis 24 Stunden möglich“, so Buderus.

Potenziell problematisch sind Ingestionen mit Knopfzellen, da sie rasch eine vital bedrohliche Nekrotisierung und Perforation verursachen können. Sie sollten deshalb möglichst rasch entfernt werden, d. h. man sollte nicht warten bis Symptome auftreten.

Ein Problem sind auch Ingestionen von „Seltene-Erden“-Magneten, die in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Beim Verschlucken von multiplen Magneten besteht ein hohes Risiko für Perforation, Fistelbildung, Peritonitis, Volvulus und Darmnekrose mit evtl. tödlichem Ausgang. Bei Ingestion von zwei oder mehr solcher Magneten sollten diese deshalb, wenn möglich, endoskopisch entfernt werden.

Bei Verätzungen mehrmals endoskopieren

Verätzungen sind immer dann gefährlich, wenn der pH-Wert der eingenommenen Substanz > 11 oder < 2 beträgt. Ursächlich kann eine Verwechslung oder eine suizidale Handlung vorliegen. Eine frühe Endoskopie kann evtl. zur Verifizierung der Verätzung sinnvoll sein. „Optimal sind endoskopische Kontrollen nach 12, 24 und 48 Stunden, um das Schädigungsausmaß abzuschätzen zu können“, so Buderus. Dabei bestehe ab dem dritten bis vierten Tag aber ein erhöhtes Perforationsrisiko. Nach drei Wochen empfiehlt sich ein Ösophagusbreischluck zum Nachweis bzw. Ausschluss einer Stenosierung. Sinnvoll ist immer die Gabe eines Protonenpumpenhemmers. Der Einsatz eines Antibiotikums ist umstritten, Steroide sind nicht wirksam.

Quelle: 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung, Dortmund, 26. bis 29. März 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/2014

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