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Dermatologie 23. Juni 2014

Cremen ab Tag Null?

Nikotinverzicht, Stillen und eine tägliche Basispflege könnten Babys vor Neurodermitis schützen.

Gibt es eine Prophylaxe für Kinder von Müttern mit Neurodermitis? Ein Patentrezept existiert nicht. Eine frühe Basispflege dürfte aber nicht schaden.

Leider gebe es kaum gut belegte Maßnahmen, die Müttern mit Neurodermitis empfohlen werden können, um ihre Säuglinge vor der Erkrankung zu schützen, sagt der Hautarzt Prof. Dietrich Abeck aus München beim MSD-Forum „Die Hausarztpraxis im Fokus“ im März in Berlin. Als zweifelsfrei etablierte Maßnahme der Primärprävention könne lediglich der Verzicht auf (aktiven und passiven) Zigarettenkonsum gelten. Darüber hinaus sollte versucht werden, die Säuglinge bis zum fünften Monat ausschließlich zu stillen, auch wenn das oft schwerfalle. Danach kann und sollte zugefüttert werden. Wer parallel dazu weiter stillen kann und möchte, der darf das auch tun, so Abeck.

Unklar ist der Nutzen einer frühen Basispflege für die Neugeborenen. Die Überlegung dahinter ist einleuchtend: Wenn die Neurodermitis nicht primär als Allergie, sondern als Barrierestörung angesehen wird, dann könnten Maßnahmen, die die Barrierefunktion in den ersten, vulnerablen Monaten stärken, vielleicht präventiv von Nutzen sein.

Eine Pilotstudie dazu wurde im Jahr 2010 publiziert. 22 Neugeborene erhielten ab dem ersten Lebenstag mindestens einmal täglich eine wasser- und lipidhaltige Basispflege („Öl-in-Wasser“). Von den 20 Säuglingen, deren Mütter bei der Stange blieben, hatten nur drei, also etwa 15 Prozent, bis zum Studienende nach anderthalb Jahren Zeichen einer Neurodermitis. „Das hätten eigentlich so etwa 70 Prozent sein müssen“, so Abeck.

Wegen der fehlenden Kontrollgruppe kann diese Studie dennoch nicht als Beweis für die präventive Wirksamkeit einer Basispflege ab dem Tag null herhalten. Unerwünschte Wirkungen seien allerdings auch keine aufgetreten, betonte der Experte, der deswegen die Mütter in seiner Praxis durchaus dazu ermuntert: „Es spricht nach bisherigem Kenntnisstand nichts dagegen, einen Säugling ein- bis zweimal täglich einzucremen.“

Wissenschaftliche Klarheit sollen zwei randomisierte Studien bringen, die derzeit laufen. An ihnen nehmen jeweils mehrere hundert Säuglinge teil.

Originalpublikation: Simpson EL et al.: A pilot study of emollient therapy for the primary prevention of atopic dermatitis; JAAD 2010; 63 (4): 587–593

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