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Batterien gibt es heute in allen Formen und Größen, da liegt es nahe, sie nicht nur als Energiequelle zu benutzen. Besonders Kleinkinder sind sehr kreativ.
 
HNO 26. Mai 2014

Batterien als Wurfgeschoße und Ohrstöpsel

Platzwunden, Verbrennungen und Verätzungen sind nur einige der Verletzungen, die sich Kinder, aber auch Erwachsene bei unsachgemäßem Gebrauch von Batterien zufügen können.

Der unzweckmäßige Gebrauch von Batterien ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen nicht selten. Während sie bei Kleinkindern als Spielzeug zur Anwendung kommen und sich später in der Notaufnahme häufig in diversen Körperöffnungen wieder finden, bunkern Senioren öfters versehentlich die kleinen Energiezellen in ihren Gehörgängen – nicht selten mit Folgen. Welche HNO-Verletzungen in welchem Ausmaß durch Batterien verursacht werden, haben nun US-Ärzte anhand einer Datenbank nachgeprüft.

Batterien gibt es heute in allen Formen und Farben, da liegt es nahe, sie nicht nur als Energiequelle zu benutzen. Besonders Kleinkinder sind sehr kreativ, wenn es um den unzweckmäßigen Gebrauch von Babyzellen oder Knopfbatterien geht. Da wird gerne ausprobiert, wie weit sich die Dinger in diverse Körperöffnungen schieben lassen, wie gut sie schmecken oder zu welchen Verheerungen ein gezielter Wurf einer 150 Gramm schweren Mono-Batterie am Schädel des kleinen Brüderchens führt. So jedenfalls sind die Ergebnisse von HNO-Ärzten zu interpretieren, die in einer US-Datenbank nach Hals- und Kopfverletzungen durch Batterien geschaut haben.

Das Team um Dr. Peter Svider von der Wayne State University in Detroit machte sich Einträge im National Electronic Injury Surveillance System (NEISS) zunutze. An dieser Datenbank beteiligen sich 100 US-Kliniken, sie melden alle Patienten aus der Notaufnahme, die sich mit elektronischen Geräten oder ihren Bestandteilen verletzt haben (Laryngoscope 2014; online 24. März). Die Ärzte um Svider interessierten sich speziell für HNO-Verletzungen durch Batterien. Pro Jahr werden der Datenbank etwa 500 batteriebezogene Verletzungen gemeldet, dadurch ergeben sich hochgerechnet auf die US-Bevölkerung jährlich etwa 15.000 durch Fehlfunktion oder Fehlgebrauch von Batterien verursachte Verletzungen in sämtlichen Notaufnahmen der USA.

Die HNO-Ärzte schauten nun gezielt nach Verletzungen im Hals- und Kopfbereich über einen Zehnjahreszeitraum. Sie fanden für dieses Intervall 614 Einträge. Hochgerechnet auf die US-Bevölkerung entspricht dies knapp 19.000 Batteriebedingte HNO-Verletzungen. Von den 614 Verletzten konnten zum Glück 93 Prozent nach einer Untersuchung oder Behandlung in der Notaufnahme wieder nach Hause geschickt werden. Vier von fünf Patienten waren minderjährig, mehr als die Hälfte aller Patienten bestand aus Kindern unter sechs Jahren (53 %). Besonders experimentierfreudig zeigten sich Patienten mit männlichem Geschlecht, sie stellten zwei Drittel der Batterieverletzten dar.

Batterien in der Nase beliebt

Häufigster Grund für die Notaufnahme bei Kindern waren Batterien, die in Körperöffnungen steckten. Besonders gerne hatten sich die Kinder Batterien in die Nase geschoben – vermutlich die gut passenden länglichen Mignon- und Mini-Zellen. Ein Drittel aller batteriebezogenen HNO-Verletzungen betrafen die Nase.

Auf Platz zwei folgten die Ohren, die sich wohl eher für Knopfzellen eignen. Darauf entfielen 114 Verletzungen (19 %). Allerdings ist schon etwas mehr Geschick erforderlich, die Energieträger in den Gehörgang zu pressen. Daher dominierten in dieser Disziplin auch eher ältere Kinder (Durchschnittsalter acht Jahre), während das Nasenschieben doch eher was für Kleinkinder ist (Durchschnittsalter drei Jahre), wie auch das Lutschen und Kauen von Batterien, für das sich überwiegend Fünfjährige begeistern konnten und das hauptsächlich zu Verbrennungen führte (87 Verletzungen).

Gewisse Kräfte, motorische Fähigkeiten und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sind auch nötig, um eine Batterie Altersgenossen so an den Kopf zu werfen, dass eine ansehnliche Platzwunde entsteht. Hier entwickelten ebenfalls Achtjährige ein beachtliches Geschick. Die 115 Platz- und Schürfwunden am Schädel und im Gesicht gingen größtenteils auf ihr Konto. Allerdings verletzten sich die Kinder nicht nur an absichtlich geworfenen Batterien, ein Teil geriet auch in die Flugbahn einer zufällig vorbeischwirrenden Mono-Zelle, etwa einer solchen, die von einem Möbelstück herunterfiel. Immerhin ein Fünftel der Patienten mit Platzwunden kollidierte zufällig mit der Batterie.

Häufigste Verletzungen bei Erwachsenen waren Verbrennungen, wobei die Autoren der Analyse nicht genau darauf eingingen, wie es dazu kam. Doch auch als Wurfgeschoße sind die kompakten Energiespeicher bei Erwachsenen noch populär, immerhin jeder Sechste mit einem Batterieschaden hatte sich eine Platzwunde zugezogen.

Senioren verwechseln Knopfzelle mit Hörgerät

Bei den Senioren hingegen sind Knopfzellen ein Problem. Sie werden gerne mit den inzwischen recht kleinen Hörgeräten verwechselt. Und nicht jeder merkt sofort, dass er mit der Knopfzelle im Gehörgang nicht wirklich besser hört. Wird die Batterie jedoch nicht rechtzeitig entdeckt, kann sie Verbrennungen und Verätzungen auslösen.

Die HNO-Ärzte um Svider geben ihren Kollegen den Rat, bei Kindern mit einer Batterie in der Nase, im Mund oder im Ohr auch nach weiteren Batterien in Körperöffnungen oder Magen zu fahnden. Denn oft treten Batterien pärchenweise auf, wo die eine ist, ist die andere auch nicht weit.

Originalpublikation: Svider PF et al. Assault by Battery: Battery-Related Injury in the Head and Neck. Laryngoscope 2014, online 24. März (http://bit.ly/1iOMaXj)

springermedizin.de, Ärzte Woche 21/2014

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