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© Torsten T. / panthermedia.net
 

Obstipation im Kindesalter

Ein Problem mit Langzeitwirkung.

Etwa 30 bis 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die schon als Kleinkinder unter Schwierigkeiten mit dem Stuhlgang litten, neigen dazu, diese Beschwerden auch nach dem 18. Lebensjahr beizubehalten. Etwa 15 bis 20 Prozent der Konsultationen bei einem pädiatrischen Gastroenterologen betreffen Probleme mit dem Stuhlgang.

Eine gründliche Behandlung mit Nachbetreuung, die bis zu einem Jahr dauern kann, ist daher unbedingt erforderlich. Auf dem 31. Ernährungskongress der Diätologen vor kurzem in Wien bildete deshalb das Thema Pädiatrie und Gastro, Obstipation aus Sicht des Pädiaters, einen Schwerpunkt, denn gerade auf diesem Gebiet sind kompetente Diätologen gefragt.

Suche nach den Ursachen

„Etwa 95 Prozent der Stuhlretentionen haben keine organische Ursache, nur bei fünf Prozent liegen Grunderkrankungen vor, – aber das macht die Ursachensuche nicht leichter“, weiß aus langjähriger Erfahrung die Grazer Kinderärztin Dr. Ursula Goriup. Schon allein die Frage, welche Stuhlgangfrequenz als normal bezeichnet werden kann, bringt je nach Kindesalter verschiedene Antworten. Eine wesentliche Rolle spielt im Säuglingsalter das Stillen, das einen günstigen Einfluss hat. Was Mütter dabei vielleicht trotzdem verunsichert: Ein Stuhlgang in 14 Tagen, so die Kinderärztin, sei in den ersten Wochen nach der Geburt durchaus normal, später pendle sich das auf etwa dreimal pro Woche ein.

Auf Ursachensuche sollte man hingegen gehen, wenn ein Kleinkind ständig weint und schreit, mit angespannten , durchgestreckten Beinen im Bett liegt und offensichtlich Schmerzen hat. Wenn vom Pädiater organische Ursachen ausgeschlossen werden können, wird zu klären sein, warum der Stuhl zurückgehalten wird. Eine der häufigsten Ursachen: weil die Entleerung Schmerzen bereitet. „Das können Wundstellen, Verletzungen beim Darmausgang sein oder entzündlicher Keimbefall“, so Goriup. Es bilden sich zunehmend Stuhlrückstände im Dickdarm, die bis zur Bildung von „Kotsteinen“ führen und sogar getastet werden können. Dadurch wird die Stuhlentleerung weiter erschwert.

Sanfte Therapie

Mit der Therapie soll man sanft beginnen, kalter Fruchtsaft morgens, zerkleinertes Obst, Fencheltee, Feigensirup, Laxantien, schmerzstillende Zäpfchen und Salben, Bauchmassage. Besonders wirksam ist ein Einlauf, Klistier, mindestens drei Tage hindurch. „Der Dickdarm, der durch die Kotsteine wie ein Sack erweitert ist, muss entleert werden und darf sich nicht mehr füllen“, betont die Kinderärztin. Oral kann auch Macrogol oral in hohen Dosen gegeben werden. Besonders wichtig ist eine Ernährungsumstellung: viel Obst und Gemüse, reichlich Ballaststoffe.

Um Rückfälle zu vermeiden, soll eine Nachbehandlung von mindestens einem Jahr eingehalten werden. Um die Erfolge zu dokumentieren, empfiehlt sich das Anlegen eines „Stuhlkalenders.“ Wenn diese Stuhlbeschwerden im Kindesalter vernachlässigt werden, kann es durchaus sein, dass sie bis ins jugendliche Alter hinaus weiter bestehen bleiben.

Bauchschmerzen: echt oder simuliert?

Bei Verdauungsstörungen im Schulkindalter spielen vielfach auch psychosomatische Ursachen eine Rolle. Häufig werden die Beschwerden von den Eltern als simuliert einfach nicht zur Kenntnis genommen, anderseits reden Kinder aus Scham oft nicht gern darüber. Das ist vor allem beim pathologischen Stuhlverlust der Fall, der dann als Durchfall „getarnt“ wird. „Die Ursache liegt in der Patho-Physiologie des überdehnten Dickdarmes, der keine Meldungen für die Entleerung aussendet. Das führt schließlich zu einem unkontrollierten, unwillkürlichen Stuhlgang“, erklärt Goriup. Neben diätologischen Maßnahmen kann in diesem Fall vor allem ein ausführliches Gespräch zwischen dem betroffenen Kind, den Eltern und dem Arzt helfen.

„Psychosomatische Aspekte spielen beim chronischen Bauchschmerz im Kindesalter eine nicht zu unterschätzende Rolle“, betont Dr. Marion Herle von der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Schmerzen im Oberbauch, Stuhlunregelmäßigkeiten, Reizdarmsyndrom, ja sogar Migräne können die Folge sein . Hier gehe es vor allem darum, die Beschwerden nicht einfach mit dem Befund „wir haben nichts gefunden“, abzutun, sondern im Gespräch die Ursachen zu finden, wie etwa Prüfungsangst, Leistungsdruck, Mobbing oder auch Missbrauch. „Eine Vielzahl von Signalen aus dem Darmzentrum beeinflusst das Nervensystem, das sogenannte Bauchhirn, und das hat einen bedeutenden Einfluss auf das gesamte körperliche Befinden“, fasst Herle zusammen.

Quelle: 31. Ernährungskongress des Verbandes der Diätologen Österreichs, Wien, 27. bis 28. März

G. Niebauer, Ärzte Woche 17/2014

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