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Onkologie 25. November 2013

Zystengröße als Prädiktor

Bei Kindern wachsen einfache Nierenzysten nur langsam.

Unkomplizierte, nicht genetisch bedingte Nierenzysten wachsen bei Kindern – wenn überhaupt – offenbar nur langsam, wie aus einer retrospektiven türkischen Studie mit Kindern und Jugendlichen hervorgeht.

Die letzte Studie, in der der Verlauf einfacher Nierenzysten bei Kindern untersucht worden war, liegt inzwischen mehr als 20 Jahre zurück, wie Pädiater um Dr. Meral Torun Bayram von der Universität in Izmir berichten. Die Ärzte haben deshalb die Befunde von 45 betroffenen Kindern (im Alter zwischen zwei Monaten und knapp 18 Jahren), davon 24 Mädchen, ihrer Klinik ausgewertet, die zwischen 2001 und 2011 per Ultraschall erhoben worden waren. Kinder mit autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung oder von Hippel-Lindau-Syndrom waren zuvor von der Studie ausgeschlossen worden. Die Klassifikation der Zysten erfolgte nach den Bosniak-Kriterien.

Bei jedem dritten Probanden ein Zufallsbefund

Mit 41 Kindern ließ sich der Verlauf der Nierenveränderung mindestens ein Jahr lang verfolgen. Bei 39 Kindern (69 %) wurden die Zysten bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, die wegen Bauchschmerzen (29 %), Harnwegsinfekten (20 %), Adipositas (13 %) oder einer Hämaturie (7%) vorgenommen worden war. Bei den übrigen Kindern war es ein Zufallsbefund, etwa bei einer Untersuchung wegen einer Blasenentleerungsstörung, Nierentumoren in der Familienanamnese, einer Pränatalzyste oder eines Diabetes. Mit einem Anteil von 13 Prozent war Adipositas die häufigste Komorbidität. Das Ergebnis der Urinanalyse war bei fast allen Kindern (84 %) normal.

Größenzunahme der Zysten

Bei den Kindern mit einem Follow-up von mindestens einem Jahr nahm der maximale Zystendurchmesser bei 20 (49 %) zu und bei vier (10 %) ab. Bei 13 Prozent (31 %) Kindern blieb er unverändert. Und bei weiteren vier Kindern verschwanden die Zysten sogar wieder. Der mittlere maximale Durchmesser stieg im Verlauf von drei Jahren von 18,8 mm auf 20,0 mm. Pro Jahr lag die Größenzunahme im Durchschnitt bei 0,3 mm. Die Rate der Zystenvergrößerung pro Jahr lag bei einem Prozent. Auffallend war, dass bei fast allen Kindern mit einer Vergrößerung der Zysten (19 Kinder, 95 %) diese Veränderung innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Diagnose beobachtet wurde. Die Zahl der Zysten veränderte sich im Verlauf der Studie nicht.

Nur anhand der Zystengröße bei der Diagnose lässt sich offenbar die Vergrößerungsrate pro Jahr abschätzen, wie die Ärzte berichten. Die lineare Regressionsanalyse ergab einen Wert von 0,459 (p = 0,003). Kinder, bei denen sich die Zyste sukzessive vergrößerte, waren im Allgemeinen jünger als Kinder ohne Veränderung oder mit Abnahme der Zystengröße. Vor allem bei Kindern mit vergleichsweise großen unkomplizierten Zysten empfehlen die Ärzte regelmäßige radiologische Kontrollen, weil sie sich offenbar rascher vergrößern.

 

 

Originalpublikation: Bayram MT et al. Clinical and Radiological Course of Simple Renal Cysts in Children. J Urol 2013, online 4. November; doi: 10.1016/j.urology.2013.08.055

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 48/2013

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