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Dermatologie 12. November 2013

Kinderhaut – Barrierefunktion stärken

Atopisches Ekzem – alle therapeutischen Maßnahmen müssen von sorgfältiger Pflege begleitet werden.

„Pflege, Pflege und nochmals Pflege, dass ist es, was die gesunde und die kranke Haut des Kindes braucht, man kann es nicht oft genug predigen ! Dabei kommt vor allem den Eltern eine wichtige Aufgabe zu“, betonte Prof. Dr. Volc-Platzer, Vorstand der Dermatologischen Abteilung Sozialmedizinisches Zentrum Ost-Donauspital in Wien, im Rahmen des Kinder-Haut-Tages, der bereits zum vierten Mal in der Gesellschaft der Ärzte in Wien stattfand.

Schwerpunktthema der Tagung war das atopische Ekzem: Barrierelipide – neue Aspekte der Lokaltherapie - Patientenschulungen und ganzheitliche Betreuung. Zu den Referenten zählten nicht nur Dermatologen, sondern auch Vertreter der Kinderheilkunde, der Allergologie, der Kinderpsychiatrie, der Pharmazie, der Apotheker und der Arzneimittelproduktion.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

„Wir legen größten Wert auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dazu bietet auch das Sozialmedizinisches Zentrum Ost-Donauspital beste Voraussetzungen. Wir haben eine Neugeborenenstation, eine Kinderinterne- und eine Kinderchirurgische Abteilung. Jeden Montag Vormittag halten wir eine Sprechstunde ab, in der jährlich etwa 800 Kinder betreut werden. Außerdem finden auch Neurodermitis-Schulungskurse für Angehörige und Pflegende statt“, berichtete Volc-Platzer.

Vermeiden von Entzündungen

Wichtigstes Ziel bei der Behandlung der atopischen Dermatitis ist die Erhaltung der Hautbarriere und damit insbesondere die Vermeidung von Entzündungen. Eine genetische Prädisposition ist sicher vorhanden, bei etwa zwei Drittel der Patienten lässt sich eine familiäre Belastung nachweisen. „Wir können aus Defekten lernen“, zitierte Volc-Platzer Prof. Dr. Peter Höger, Pädiatrische Dermatologie Hamburg. „Es handelt sich um eine polygenetische Erkrankung. Gen-Defekte führen zu Fehlfunktionen von Strukturproteinen und Enzymen: eine Mutation des Filaggrins, die auch bei der Entstehung der Ichthyose eine Rolle spielt, eine Mutation des Corneo-Desmosin, die auch für das Peeling Skin Syndroms verantwortlich ist, und eine Enzymaktivierung, die zu dem sehr seltenen Netherton Syndrom führt.“

Teufelskreis Juckreiz, Kratzen, Entzündung

Diese Gen-Defekte führen dazu, dass die Haut austrocknet, juckt und durch Kratzen leicht verletzbar ist. In der Folge entstehen Entzündungen und Keimbesiedlungen. „Es handelt sich um eine komplexe Entzündung, an der eine Reihe von T-Zellen beteiligt ist. Unsere therapeutischen Maßnahmen müssen vor allem diese Entzündungen vermeiden.“ Für eine vorbeugende Behandlung eigenen sich immer noch die Antihistaminika der alten Generation, die auch den Juckreiz stillen. Für die Pflege zu empfehlen sind auch Gamma-Linolensäure (beispielsweise Nachtkerzenöl) sowie essenzielle Fettsäuren (beispielsweise Meeresfischöl).

Wenn die Entzündung bereits eingetreten ist, sind topische Kortikosteroide die erste Wahl, die schnell wirken. Zu einer neuen Generation von topischen Substanzen zählen die Calcineurininhibitoren, die Prof. Dr. Thomas Luger von der Poliklinik für Hautkrankheiten der Universität Münster, vorstellte. Dabei handelt sich dabei um multifunktionelle Proteine, die immunsuppressive Eigenschaften haben, kein Cortison enthalten und vor allem für pro-aktive Therapien in der Beuge und im Gesicht geeignet sind.

„Alle therapeutischen Maßnahmen führen aber nur zum Erfolg, wenn sie von sorgfältiger Pflege begleitet werden. Besonders bewähren sich Emulsionen mit Wasser in Öl oder fettige Pflegemilch ohne Zusätze. Volc-Platzer empfahl bei der Verschreibung von Salben, Cremen, Emulsionen und Bädern eine enge Kommunikation mit den Apothekern, die dazu Wissen und Erfahrung beisteuern können. Häufiges Baden zählt nicht zur richtigen Pflege, zweimal pro Woche genügt.

Keine psychosomatische Erkrankung

Bei den Besprechungen und Schulungen legt Volc-Platzer besonderen Wert auf die Mitwirkung eines Psychologen. „Das atopische Ekzem ist keine Psychosomatose. Psychische Belastung oder Stress sind nicht Ursache der Erkrankung, können aber zur Auslösung führen. Die Krankheit hat jedoch Auswirkungen auf die Psyche“, betonte Prof. Dr. Brigitte Hackenberg, Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Wien. Eine psychische Bewältigung der Krankheit zählt zu einer wichtigen Begleitung und beeinflusst schließlich auch den Therapieerfolg.

Auch die Eltern müssen in diese Therapie eingeschlossen werden, insbesondere, wenn sie Schuldgefühle – völlig zu Unrecht – entwickeln, diese Krankheit den Kindern weitergegeben zu haben.

Quelle: Kinder-Haut-Tag, 18. Oktober 2013, Wien

G. Niebauer, Ärzte Woche 46/2013

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