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Kinder- und Jugendheilkunde 12. August 2013

Darmflora unterstützen

Probiotika sind bei nekrotisierender Enterocolitis und akuten infektiösen Diarrhoen im Kindesalter gut etabliert.

Das kindliche Verdauungssystem ist besonders sensibel. Die Darmflora muss sich erst an die Umwelt anpassen und Verdauungsstörungen können schnell das Gleichgewicht durcheinanderbringen. Durchfall kann in kurzer Zeit zur Dehydratation und zu einer lebensbedrohlichen Austrocknung des Körpers führen. Daher ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen und dies vor allem jungen Eltern nachdrücklich zu vermitteln. Gleichzeitig muss die Darmflora in ihrer Regeneration unterstützt werden.

Zwischen Darmflora und Darmepithel besteht eine funktionelle Einheit, die sich gegenseitig positiv beeinflussen. Eine unzureichende Antigenexposition, wie sie in Folge übertriebener Hygienemaßnahmen und dem damit verbundenen Mangel an Bakterien und Bakterienprodukten entstehen kann, wirkt sich dagegen nachteilig auf das mukosa-asoziierte Immunsystem des Gastrointestinaltrakts aus.

Diskutierte Indikationen

In diesem Zusammenhang ist die gezielte Zufuhr von Probiotika als Vorbeugungs- und Therapiemaßnahme gastrointestinaler Krankheiten und Funktionsstörungen speziell auch im Kindesalter, wie infektiöse Gastoenteritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Reizdarm, Helicobacter-pylori-Gastritis und anitbiotikaassoziierte Diarrhoe diskutiert und in unterschiedlichen Studien untersucht worden. „In der Neonatologie fanden diese Substanzen in Studien zur Prävention der nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) und der neonatalen Sepsis bereits breite Anwendung“, berichtet Radke. Der wirkungsorientierte Einsatz von Probiotika hat sich in der medizinischen Praxis weitgehend etabliert, so Radke.

In der Indikation der Probiotika bei NEC bei Frühgeborenen zeigte eine Metaanalyse, bei welcher unterschiedliche Probiotika zum Einsatz kamen, eine teilweise signifikant positive Beeinflussung gastrointestinaler entzündungsrelevanter Parameter beispielsweise durch die Applikation von Bifidobacterium Lactis Bb12. Die zweimal tägliche Applikation von je 109 Kolonie bildenden Einheiten (KbE) Lactobacillus acidophilus und Bifidobacterium bifidum über insgesamt sechs Wochen führte zu einer signifikant geringeren Entwicklung von NEC oder Tod als unter Placebo.

Weniger Aufstoßen, bessere Verdauung

Hinsichtlich gastrointestinaler Funktionen tolerierten Frühgeborene - in einer allerdings sehr kleinen Studie - die Ernährung mit Formulaernährung mit Lactobacillus reuteri 108 KbE/Tag während insgesamt 30 Tagen besser, gemessen an einer geringeren Regurgitationsrate und signifikanten Beschleunigung der Magenentleerung, als Muttermilch bzw. Formulaernährung ohne Probiotikum. „Die Anwendung von Probiotika“, so der Autor, „reiht sich in eine lange Reihe präventiver Strategien zur Vermeidung schwerer lebensbedrohlicher Krankheiten (Sepsis, NEC) bei Frühgeborenen ein. Verglichen mit anderen (z. B. Antibiotika, standardisierte Ernährungsregimes, Immunglobuline, Arginin- oder Glutaminsupplementation usw.) ist sie aus aktueller Sicht zu den effektivsten Strategien zu rechnen.“ Hinzu kommt, dass der Studienaufwand mit Probiotika geringer als mit anderen Interventionen ausfällt und ihnen ein höheres NEC-Reduktionspotential zugemessen wird. Auch wenn die vorliegenden Daten noch nicht alle Fragen letztgültig beantworten, seien sie soweit konsistent, dass eine Anwendung von Probiotika mit nachgewiesener NEC-präventiver Wirkung auf neonatologischen Intensivstationen forciert werden sollte.

Bei akutem viralen Durchfall gut etabliert

Bestimmte Probiotika zur Therapie der akuten viralen Gastroenteritis im Säuglings- und Kindesalter haben sich aufgrund der Evidenz in der pädiatrischen Praxis etabliert. Die regelmäßige orale Gabe von Laktobazillen während einer akuten infektiösen Durchfallerkrankung, so Radke, wirke sich hochsignifikant verkürzend und/oder abmildernd auf den Krankheitsverlauf aus, wobei eine möglichst frühe Gabe präventiv und günstig auf den Behandlungserfolg wirke und eine signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehung bestehe.

Quelle: M. Radke: Probiotika in der Kindergastroenterologie, Monatsschr Kinderheilkd 2010, 158:570-582

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