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Onkologie 12. August 2013

Hirntumor bei Kindern erforscht

Alle pilozytischen Astrozytome haben eine gemeinsame Ursache.

Die systematische Analyse aller Erbgutveränderungen kindlicher Hirntumoren ist seit 2010 das Ziel des Forschungsverbunds PedBrain-Tumor. Nun wurde die Auswertung der ersten 96 Erbgut-Analysen von pilozytischen Astrozytomen, der häufigsten kindlichen Hirntumorart, veröffentlicht. Diese wachsen in der Regel sehr langsam, sind aber oft chirurgisch schlecht zugänglich, sodass sie nicht vollständig entfernt werden können und wiederkehren.

     

Bereits in vorangegangenen Arbeiten wurden bei einem sehr großen Anteil der pilozytischen Astrozytome charakteristische Genveränderungen entdeckt. Sie betrafen alle die MAPK-Signalkaskade.

Die Hypothese, dass pilozytische Astrozytome grundsätzlich aufgrund einer fehlerhaft aktivierten MAPK-Signalgebung entstehen, wurde nun bestätigt. Zwar wurden zunächst bei etwa einem Fünftel der Fälle keine solchen Mutationen gefunden. Bei der Gesamtanalyse der Genome von 96 Tumoren stieß man jedoch jetzt bei drei weiteren am MAPK-Signalweg beteiligten Genen auf aktivierende Defekte, die bisher beim Astrozytom noch nicht beschrieben waren.

Abseits dieser MAPK-Mutationen fand man bei den pilozytischen Astrozytomen keine gehäuft auftretenden Erbgutveränderungen, die das Krebswachstum antreiben könnten. Das ist ein besonders sicheres Indiz dafür, dass überaktive MAPK-Signale notwendig sind, dass dieser Tumor entsteht.

Insgesamt enthält das Erbgut der pilozytischen Astrozytome weitaus weniger Veränderungen als etwa das der Medulloblastome. Dieser Befund steht im Einklang mit dem weniger aggressiven Wachstum der Astrozytome. Die Anzahl der genetischen Veränderungen stieg mit dem Alter der Betroffenen.

Die wichtigste Schlussfolgerung ist für die Autoren, dass potenziell für alle pilozytischen Astrozytome zielgerichtete Wirkstoffe zur Verfügung stehen, die eine überaktive MAPK-Signalkaskade an verschiedenen Stellen blockieren können. Damit könnte in Zukunft auch denjenigen Kindern geholfen werden, deren Tumoren operativ schwer zugänglich sind.

Jones DT et al.: Nat Genet 2013; 45 (8): 927–32

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