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Viele ehemals wissen nicht, welche Therapien sie als krebskranke Kinder erhalten haben.
 
Onkologie 26. Juli 2013

Krebs bei Kindern: Bringt die Therapie vorzeitiges Altern?

Viele Kinder mit Krebs haben später als Erwachsene gesundheitliche Beeinträchtigungen, die durch die Krebstherapie verursacht wurden.

Die häufigsten Leiden im späteren Leben sind Lungenstörungen, endokrine Störungen und Herzprobleme. "Das ist ein Weckruf für Ärzte und sollte Betroffene daran erinnern, sich kontinuierlich um ihre Gesundheit zu kümmern", meint Dr. Melissa Hudson, Leiterin der St. Jude Division of Cancer Survivorship an der St. Jude Kinderklinik in Memphis in einer Mitteilung des Krankenhauses. Sie bezieht sich dabei auf Zwischenergebnisse der 2007 begonnenen und noch bis 2025 laufenden St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE), die jetzt vorgestellt worden sind.

Ausgewertet wurden die Daten von 1.713 Erwachsenen, die als Kinder Krebs hatten, und zwar von Befunden, die zwischen Oktober 2007 und Ende 2012 erhoben worden waren. Im Median waren die Studienteilnehmer 32 Jahre alt (zwischen 18 und 60 Jahre). Die Krebsdiagnose lag median 25 Jahre (zwischen zehn und 47 Jahre) zurück. Alle Patienten waren als Kinder an dieser Klinik onkologisch behandelt worden.

Am häufigsten waren mit einem Anteil von 65,2 Prozent Störungen der Lungenfunktion. Mehr als 74 Prozent dieser Patienten hatten zur Krebstherapie eine Bestrahlung der Lunge erhalten, 73,3 Prozent eine Behandlung mit Bleomycin und mehr als 53 Prozent mussten sich einer Thorakotomie unterziehen.

Unter den Patienten, die eine kardiotoxische Therapie erhalten hatten, traten bei mehr als 56 Prozent in der Folge kardiovaskuläre Veränderungen auf, vor allem Herzklappenfehler, Hypertonie, Adipositas und Dyslipidämien. Bei den Herzklappenfehlern handelt es sich vor allem um Insuffizienzen der Trikuspidal- und/oder Mitralklappen. Auch endokrine Störungen sind bei Überlebenden von Krebserkrankungen in der Kindheit mit einem Anteil von 62 Prozent recht häufig.

Nach Bestrahlung oder Therapie mit alkylierenden Substanzen oder beidem entwickelten sich bei mehr als 56 Prozent der so Behandelten Störungen der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse), bei knapp 14 Prozent Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Störungen der Gonadenfunktion bei 66 Prozent der Männer und bei knapp zwölf Prozent der Frauen.

Und die meisten Erwachsenen, die als Kinder platinhaltige Therapien oder Bestrahlungen des Ohrs erhalten hatten, klagten über Hörverlust, und zwar 62 Prozent der Überlebenden. Und jeder Zweite, der auf das ZNS zielende Therapien erhalten hatte, entwickelte Kognitionsdefizite.

Insgesamt seltener waren dagegen mit einem Anteil unter 20 Prozent Störungen der Blutbildung, der Leber- und Nierenfunktion sowie der Knochenbildung. Mehr als 270 Krebsüberlebende entwickelten als Erwachsene ein oder mehrere Malignome, darunter insgesamt betrachtet 335 solide Tumoren und 13 hämatologische Neoplasien.

Zeichen vorzeitiger Alterung

Weil vor allem die neurologischen, kardialen und pulmonalen Störungen bereits in jungen Jahren aufgetreten waren, gehen die Ärzte um Hudson davon aus, dass dies Zeichen einer vorzeitigen Alterung sind. Dieses Phänomen werde deshalb im Fokus der künftigen SJLIFE-Forschung stehen.

Allerdings: Die Studie ist nicht repräsentativ, weil die Patienten bereits seit den 1980er-Jahren Teil eines Untersuchungsprogramms der Klinik in Memphis sind, sodass die Beobachtungen die tatsächliche Lage eher unterschätzen. Hudson erstaunt es darüber hinaus, dass vielen Patienten offenbar gar nicht klar ist, welche spezifischen Krebstherapien sie in der Kindheit erhalten hatten und welche späteren Gesundheitsrisiken damit verbunden sind.

Die Patienten bzw. die Eltern müssten über die möglichen Risiken der Krebsbehandlung noch besser aufgeklärt werden, um bei ersten Zeichen einer pathologischen Veränderung rechtzeitig reagieren zu können. Zudem müssten die Patienten stärker als bisher zu einem gesunden Lebensstil angehalten werden.

ÄZ, pl / IS, springermedizin.at

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