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Kinderurologe Josef Oswald empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Buben vor dem Eintritt in das geschlechtsreife Alter.

 
Infektiologie 27. Mai 2013

Humane Papillomaviren bei Kindern nachgewiesen

Hochrisikoviren, die für die Entstehung von Tumoren im Erwachsenenalter verantwortlich gemacht werden, wurden nun auch bei präpubertären Kindern gefunden.

Chronische Virusinfektionen können im Lauf des Lebens zur Entwicklung von bösartigen Erkrankungen wie Krebs führen. Humane Papillomaviren (HPV) zählen zu derartigen Viren.

Weltweit sind mehr als 20 Millionen Menschen mit HPV infiziert – über die Hälfte aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens mit HPV angesteckt. Die Infektion erfolgt wie bei HIV (AIDS) im Zuge der Geburt bzw. durch Geschlechtsverkehr, wobei Männer als die primären Überträger gelten. Da das Virus bei einem Teil der Betroffenen oft unentdeckt wieder ausheilt, lässt sich schwer sagen, wie viele Kinder diesen Erreger bereits in sich tragen.

Auch Kinder können Virusträger sein

Es gibt etwa 120 verschiedene Subtypen der humanen Papillomaviren, wobei die Typen 16 und 18 als hoch riskant eingestuft werden, da sie für die Entstehung verschiedener Tumore verantwortlich sind. Die Niedrigrisikotypen 6 und 11 lösen Genitalwarzen oder im Bereich der oberen Atemwege die Kehlkopfpapillomatose (Feigwarzen im Kehlkopf) aus, die für Betroffene aufgrund von kosmetischen Problemen, Beschwerden und einer hohen Rückfallsquote äußerst unangenehm sind.

Der Leiter der kinderurologischen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz, Doz. Dr. Josef Oswald, ging in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck der Frage nach, wie viele Knaben und Männer mit HPV infiziert sind und welche Typen sie in sich tragen. „Wir wissen, dass es sich bei einer HPV-Infektion um eine Geschlechtserkrankung handelt, die primär von Männern übertragen wird. Als Virusreservoir gelten Zellen, die im inneren Vorhautblatt des Penis lokalisiert sind. Im Zuge der Studie haben wir die Vorhäute von insgesamt 250 Knaben und Männern auf das Vorkommen von HPV untersucht“, erklärt Oswald. Die höchsten Infektionsraten wurden in der Gruppe der sexuell aktiven Jugendlichen und Erwachsenen gefunden. 60 Prozent waren mit den Hochrisiko-Typen 16 und 18 infiziert, 50 Prozent mit den Stämmen 6 und 11.

Aber auch bei präpubertären Knaben (0 bis 10 Jahre) war in bis zu 20 Prozent der Fälle das innere Vorhautblatt infiziert. Die Viren 16 und 18 wurden bei zehn Prozent der untersuchten Buben gefunden, die Niedrigrisiko-Stämme bei 20 Prozent ( Klinglmair, Pichler et al.: World J Urol 2012 ).

Eine ähnliche, kleinere Studie wurde vor vier Jahren an der Universität Wien an Mädchen durchgeführt. Hier zeigte sich, dass bereits 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 15 Jahren das Hochrisikovirus (16, 18) in sich trugen, knapp vier Prozent wiesen die Stämme 6 und 11 auf.

Analkarzinome, Tumoren in Mund und Rachen

Während HPV früher hauptsächlich mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs in Zusammenhang gebracht wurde, ist mittlerweile bekannt, dass HPV auch an anderen Lokalisationen die Entstehung von Krebs fördert. So haben Studien gezeigt, dass bis zu 93 Prozent aller Tumoren im Analbereich mit einer HPV-Infektion in Verbindung stehen. HPV zeichnet auch für 20 bis 60 Prozent aller Karzinome im Kopf-Hals-Bereich verantwortlich.

„Noch bis vor wenigen Jahren galten Tabak und Alkohol als die größten Risikofaktoren für die Entstehung dieser Tumorarten. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass eine HPV-Infektion, insbesondere mit den Stämmen 16 und 18, in einem hohen Ausmaß die Krebsbildung im Mund- und Rachenraum fördert“, sagt Prof. Dr. Martin Burian, Leiter der Abteilung für HNO am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz. Einige Studien deuten laut Burian drauf hin, dass im Jahr 2020 bereits mehr Personen jährlich an HPV-assoziierten Tumoren im Mund- und Rachenraum erkranken werden als Frauen an Gebärmutterhalskrebs.

Cervix-, Vulva-, Vagina- und Peniskarzinom

Aktuell erkranken neunmal mehr Frauen als Männer an HPV-bedingten Tumorarten. An erster Stelle steht der Gebärmutterhalskrebs mit 400 neuen Fällen pro Jahr in Österreich, gefolgt von Tumoren der Schamlippen und der Vagina. „Dank der guten gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen mittels PAP-Abstrich ist die Zahl der Neuerkrankungen von Gebärmutterhalskrebs österreichweit im internationalen Vergleich relativ niedrig, allerdings werden jährlich zwischen 5.000 und 6.000 Operationen aufgrund hochgradiger Zellveränderungen an Gebärmutterhals und Muttermund durchgeführt“, so Doz. Dr. Lukas Hefler, Leiter der gynäkologischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz. Bei Männern führt HPV auch zur Entstehung von Penistumoren und soll zudem das Risiko für Prostatakrebs erhöhen.

Schutz durch Impfung

Wie kann nun vorgebeugt werden? „Internationale Studien belegen, dass die Beschneidung – ähnlich wie bei der AIDS-Erkrankung – einen signifikant protektiven Faktor darstellt, da das Virus vor allem im inneren Vorhautblatt des Penis angesiedelt ist“, sagt Oswald und ergänzt: „Den größten Schutz bietet allerdings die HPV-Impfung – sowohl von Knaben als auch von Mädchen, am besten noch vor dem Eintritt in das geschlechtsreife Alter, damit die Übertragungskette unterbrochen wird.“

Die Impfung biete einen hohen Schutz gegen den Krebs des Gebärmutterhalses, der Schamlippen und des Penis. Bei den Kopf-Hals- und Analtumoren sowie bei höhergradigen Zellveränderungen im Analbereich sind derzeit noch internationale Studien am Laufen, erste Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass es durch die Impfung zu ähnlich positiven Erfolgen wie beim Gebärmutterhalskrebs kommen wird.

Österreich ist in der EU Schlusslicht bei Durchimpfung

„Die Durchimpfungsrate ist in Österreich nach wie vor sehr niedrig. Nur etwa fünf Prozent der Mädchen sind gegen HPV geimpft, geimpfte Knaben sind überhaupt eine Rarität“, zeigt Hefler auf und ergänzt: „In anderen Industriestaaten beträgt die Durchimpfungsrate bei Mädchen bereits 90 Prozent.“

Einer der Hauptgründe für die niedrige Impfungsrate sind wohl die hohen Kosten. Österreich ist eines der wenigen Länder, in denen die HPV-Impfung nicht bezahlt wird. Eine Ausnahme stellt das Bundesland Vorarlberg dar, wo eine Teilimpfung seit kurzem nur mehr 54 Euro anstatt 190,65 Euro kostet.

Trotz der hohen Kosten richten die Mediziner einen dringenden Appell an alle Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen, um sie zuverlässig vor der Entstehung verschiedener Krebserkrankungen zu schützen.

Die Impfung gegen HPV ist prophylaktisch wirksam und wird daher vorrangig vor Eintritt in das sexuell aktive Alter empfohlen (9. bis 12. Lebensjahr), da der Nutzen der Impfung nach Beginn der sexuellen Aktivität (und damit einhergehenden HPV-Infektionen) abnimmt.

Die Impfung kann aber auch bei Frauen und Männern im sexuell aktiven Alter sinnvoll sein, da sie vor neuen Infektionen mit den im Impfstoff enthaltenen HPV Typen schützt. Ergänzend zur Impfung wird für Frauen die jährliche Kontrolle beim niedergelassenen Gynäkologen als wichtige Präventivmaßnahme empfohlen.

Quellen:

Presseaussendung Krankenhaus BHS Linz vom 14. Mai 2013

Impfplan Österreich 2013

  

Eckdaten zur HPV-Impfung von Kindern

  • Der Impfstoff Gardasil ist für Mädchen und Buben ab 9 Jahren zugelassen. Es handelt sich um einen quadrivalenten, also gegen vier Virusstämme (6, 11, 16, 18) gerichteten Impfstoff.
  • Für junge Frauen ist noch ein weiterer Impfstoff, Cervarix, ab dem 9. Lebensjahr zugelassen. Bei Cervarix handelt es sich um einen bivalenten Wirkstoff, der gegen die beiden Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 wirksam ist.
  • Die Impfung wird dreimal intramuskulär (meist in den Oberarm) verabreicht, ist generell gut verträglich und kann gleichzeitig oder zeitnah mit anderen Impfungen (z. B. FSME) verabreicht werden.
  • Die Kosten liegen derzeit bei 190,65 Euro pro Impfung (571,95 Euro gesamt). Ausnahme: Vorarlberg 54 Euro (162 Euro gesamt).
  • Die Impfung führen niedergelassene Kinder- und Hausärzte sowie Gynäkologen durch.

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