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Einheitliche Screening-Programme könnten Skoliose-Patienten früher detektieren.
 
Orthopädie 11. Mai 2013

Skoliose ist keine Haltungsschwäche

Je jünger die Patienten sind, desto besser kann behandelt werden.

Tausende Österreicher haben eine Skoliose. Experten raten zu einer vielschichtigen Therapie. Anlässlich eines Skoliose-Symposiums mit 300 Medizinern im Orthopädischen Spital Speising in Wien diskutierten Experten über frühzeitige Therapiemaßnahmen und einheitliche Screening-Programme in Schulen.

Etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung, also rund 40.000 Österreicher, leiden an einer mittelstarken oder starken Ausprägung der so genannten „idiopathischen adoleszenten Skoliose“. „Diese Art der Skoliose entsteht im Jugendlichenalter, so zwischen 10 und 16 Jahren, hat aber nichts mit einer Fehlhaltung, Haltungsschwäche oder etwa dem Schultaschentragen zu tun“, räumt Doz. Dr. Rudolf Ganger, PhD., Leiter der Kinderorthopädie-Abteilung in Speising, landläufige Missverständnisse aus.

Psychologische Betreuung von Jugendlichen

Ist die Verkrümmung höher als 20 Grad – man misst ihn als so genannter „Cobb-Winkel“ – ist jedenfalls eine Therapie notwendig, betont der Experte. In einer ersten Phase wird meist empfohlen, ein Korsett zu tragen, um das Wachs- tum in die richtige Richtung zu lenken und eventuell damit die Ausprägung der Skoliose zu verringern. Im Orthopädischen Spital Speising werden die Jugendlichen in dieser Phase auch durch Psychologen beraten, da viele Heranwachsende erst einmal das Tragen einer solchen Orthese am Körper ablehnen. „Unsere Daten zeigen aber, dass die jungen Patienten durch die psychologische Unterstützung das Korsett eher annehmen“, sagt OA Dr. Robert Csepan, der die Skolioseambulanz im Orthopädischen Spital Speising betreut. Auch physiotherapeutische Übungen werden durchgeführt und gehören zum vielseitigen Therapieansatz dazu.

In einer zweiten Stufe, wenn die Skoliose stärker ausgeprägt ist, muss oft operiert werden. „Je jünger die Patienten sind, desto besser und stärker kann die Skoliose begradigt werden“, sagt Prof. Dr. Michael Ogon, Leiter der Wirbelsäulenabteilung in Speising (III. Orthopädische Abteilung). „Eine höhergradige Skoliose von mehr als 50 Grad nimmt auch im Erwachsenenalter langsam weiter zu. Mit fortgeschrittenem Lebensalter wird die Krümmung dann auch steifer und wird zunehmend schwieriger korrigierbar“.

Screenings gefordert

Viele Skolioseverläufe könnte man, so die Speisinger Experten, mildern, wenn sich die jungen Patienten frühzeitiger therapieren ließen. Was dazu fehlt, seien einheitliche Skoliose-Screenings an den Schulen. Solche Voruntersuchungen gebe es nur in manchen Schulformen, aber eben nicht flächendeckend, bemängeln die Fachleute.

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