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Gastroenterologie 29. April 2013

CED im Kindes- und Jugendalter

Neue Leitlinien gegen unsichere Diagnosen und für eine bessere Therapie.

Neue Leitlinien zur Diagnose und Klassifikation chronisch entzündlicher Darmerkrankungen im Kindes- und Jugendalter sollen diagnostischen Unsicherheiten entgegenwirken und eine möglichst frühe optimale Therapie sicherstellen.

Als „radikale Abkehr“ von früheren Therapieleitlinien beschreibt Prof. Dr. Arie Levine von der ESPGHAN (European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition), einer Vereinigung innerhalb der UEG (United European Gastroenterology), die neuen Leitlinien für Erwachsene bzw. Kinder und Jugendliche . Sie definieren und klassifizieren vier Unterarten des Krankheitsbildes und fordern eine umfassende Diagnostik einschließlich einer Magenspiegelung und einer Untersuchung des kompletten Dünndarms mittels Magnetresonanzenteroskopie (Levine A et al.: J Pediatr Gastroenterol Nutr; in press).

„Kürzlich erlassene Leitlinien und epidemiologische Studien an Kindern und Jugendlichen mit CED haben gezeigt, wie viel Unsicherheit bei der Diagnose und Klassifikation des Krankheitsbildes herrscht“, so Levine, pädiatrischer Gastroenterologe am Wolfson Medical Center der Universität von Tel Aviv. „Im Kindes- und Jugendalter stellt sich die Erkrankung oft ganz anders dar als bei Erwachsenen und das schlägt sich in den Empfehlungen der neuen Leitlinien nieder.“

CED bei Kindern nimmt zu

CED lassen sich in der Regel zwei Unterarten zuordnen: Colitis ulcerosa , die ausschließlich den Dickdarm befällt, und Morbus Crohn, der im gesamten Darmtrakt auftreten kann. Bei Erwachsenen wird im Rahmen der Diagnostik in der Regel eine Darmspiegelung durchgeführt, um zu bestimmen, welche der beiden Erkrankungen vorliegt.

Im Kindes- und Jugendalter steigt die Rate chronisch entzündlicher Darmerkrankungen offenbar an. Mehrere Studien lassen darauf schließen, dass sich die Rate im letzten Jahrzehnt etwa verdoppelt hat. Heute sind bis zu acht von 100.000 Kindern und Jugendlichen betroffen. Zahlreiche neuere Studien zeigen, dass sich CED bei Kindern und Jugendlichen unter Umständen ganz anders darstellen als bei Erwachsenen. Das Alter ist also ein wichtiger Faktor für die Ausprägung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen: Im Kindes- und Jugendalter verlaufen sie allem Anschein nach schwerer als bei Erwachsenen. Bei Kindern mit Morbus Crohn ist eher der Dickdarm betroffen, bei Jugendlichen oft auch Abschnitte des Dünndarms, die das Endoskop bei einer Darmspiegelung nicht erreicht. Bei etwa zehn Prozent der pädiatrischen Patienten mit Colitis ulcerosa liegen laut den aktuellen Leitlinien Symptome vor, die auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hindeuten können.

„Da sich die Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen im Kindes- und Jugendalter in einigen Fällen überschneiden, kann die Art der Erkrankung bei einem erheblichen Anteil der Patienten nicht klar diagnostiziert werden“, so Levine. „Das führt zu Unsicherheiten in Bezug auf Therapie und Prognose, die wir mithilfe der neuen Leitlinien zu überwinden hoffen.“

Überarbeitete Porto-Kriterien

Die überarbeiteten Porto-Kriterien zur Diagnose und Klassifikation von CED im Kindes- und Jugendalter definieren und klassifizieren vier Unterarten des Krankheitsbildes:

• typische Colitis ulcerosa

• atypische Colitis ulcerosa: Colitis ulcerosa mit einem atypischen Symptom, das jedoch nicht gegen eine Colitis ulcerosa spricht, z. B. makroskopische, den Enddarm nicht betreffende Colitis ulcerosa, einfaches Magengeschwür oder kurzzeitige Colitis ulcerosa, die sich bei Kindern und Jugendlichen als fokale Entzündung darstellen kann

• Morbus Crohn

• unklassifizierte CED

Laut den neuen Leitlinien erfordert die korrekte Bestimmung der vorliegenden Unterart eine umfassende Diagnostik mit Magenspiegelung und einer Untersuchung des kompletten Dünndarms mittels Magnetresonanzenteroskopie (MRE).

„Dass in den neuen Leitlinien jetzt die MRE als Standardverfahren empfohlen wird, ist ein erster Schritt hin zur Verringerung der Strahlenbelastung bei Kindern, die darauf besonders sensibel reagieren. Im Übrigen lassen sich durch die MRE wichtige Informationen über dieses komplizierte Krankheitsbild gewinnen“, so Levine. „Wir hoffen, dass die neuen Diagnosekriterien zu weniger Unsicherheit bei der Bestimmung von Unterart und Schwere chronisch entzündlicher Darmerkrankungen und zu einer besseren Diagnose möglicher Komplikationen wie einer Stenose oder Penetration gleich beim ersten Auftreten der Symptome beitragen werden. Auf diese Weise hoffen wir, vom Augenblick der Diagnose an sofort mit einer optimalen Therapie beginnen zu können.“

UEG/ESPGHAN, Ärzte Woche 18/2013

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