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Asthma bei Kindern wird häufiger, der Schweregrad nimmt aber ab.
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Prof. Dr. Ernst Eber, Klinische Abteilung für pädiatrische Pulmologie und Allergologie MedUni Graz

 
Pulmologie 26. April 2011

Sensible Kinderlungen

Bei der 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie standen zwei Themen im Zentrum: Asthma bronchiale und die Zystische Fibrose.

Erkrankungen der Lungenwege bei Kindern und Jugendlichen, wie etwa Asthma bronchiale, sind in ganz Europa und somit auch in Österreich im Vormarsch. Asthma bronchiale ist mittlerweile die häufigste chronische Gesundheitsstörung bei Kindern und Jugendlichen.

 

Die Klinische Abteilung für Pädiatrische Pulmonologie und Allergologie an der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde zählt zu den führenden Kompetenzzentren in Europa. Die jahrzehntelange Erfahrung in der spezialisierten Behandlung der kleinen Patienten mit akuten und chronischen Erkrankungen der Atemwege sowie die wissenschaftlichen Aktivitäten auf dem Gebiet führten zu der überregionalen Vorreiterrolle. Dass die 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie in Graz stattfand, zeigt die Anerkennung in der internationalen Scientific Community.

„Über 400 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz diskutierten neueste Therapiemöglichkeiten und wissenschaftliche Erkenntnisse“, erklärt Prof. Dr. Ernst Eber, Organisator der hochrangigen wissenschaftlichen Veranstaltung. Dabei standen vor allem zwei Erkrankungen im Vordergrund, für die das Grazer Universitätsklinikum jahrzehntelange Expertise aufweisen kann und wesentlich zu verbesserten Behandlungen beigetragen hat.

Asthma bronchiale bei Kindern

In Mitteleuropa sind zwischen zehn bis 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von einer Asthma-Erkrankung betroffen, in Österreich ist die Zahl mit 8,5 bis neun Prozent deutlich niedriger. Die Zahl der an Asthma erkrankten Kinder steigt seit Jahren kontinuierlich an, aber erfreulicherweise nimmt der Schweregrad dieser chronischen Erkrankung deutlich ab. So musste beispielsweise im letzten Jahrzehnt in Graz kein kindlicher Asthmapatient mehr auf der Intensivstation maschinell beatmet werden, dank der wesentlich verbesserten Behandlungsmöglichkeiten. In den Städten erkranken mehr junge Menschen als im ländlichen Bereich. Ein direkter Zusammenhang mit erhöhten Feinstaubwerten ist nicht unmittelbar gegeben. „Allerdings sind die Langzeitschäden durch Feinstaub, die den Respirationstrakt beeinträchtigen und dadurch Virusinfektionen leichter und häufiger auftreten, ein Faktum“, erklärt Prof. Dr. Maximilian Zach, Leiter der Klinischen Abteilung für Pädiatrische Pneumologie. Immer wieder weisen die Experten auch auf den Umstand hin, dass in der Bevölkerung die Feinstaubbelastung durch Zigarettenrauch gerne „vergessen“ wird. Eine Wohnung weist, selbst wenn in ihr nur wenige Zigaretten täglich geraucht werden, hohe Feinstaubwerte auf.

Zystische Fibrose

Die Zystische Fibrose entsteht durch einen Gendefekt und ist eine Stoffwechselstörung, die von Geburt an besteht. Sie ist die häufigste erblich bedingte Erkrankung in der kaukasischen Bevölkerung, zählt aber dennoch zu den „orphan diseases“. In Österreich leben rund 600 Betroffene, 150 werden an der Grazer Abteilung behandelt. Die Zystische Fibrose (oder Mukoviszidose) äußert sich durch eine chronische Erkrankung der Atemwege und durch Verdauungsstörungen aufgrund einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse. Auch andere Organe wie Leber und Schweißdrüsen sind in der Regel betroffen. „Für die Erkrankung ist ein Gen verantwortlich, aber es gibt über 1.500 Genmutationen“, fasst Eber die komplexe Situation mit unterschiedlichsten Verlaufsformen dieser Erkrankung zusammen.

Mit einer Vielzahl an schrittweisen Verbesserungen in der Behandlung ist es gelungen, die durchschnittliche Lebenserwartung auf 40 Jahre anzuheben. Eine ganze Reihe von Spezialisten arbeitet an der Grazer Abteilung im einzigen Zentrum in Südostösterreich zusammen: pädiatrische Pneumologen, Hepatologen, Gastroenterologen, Endokrinologen, Radiologen, Physiotherapeuten, Diätologen und Psychologen. Auch aufgrund des Engagements des Grazer Experten wurde in den späten 1980er-Jahren ein Screening zuerst in Graz eingeführt, das dann flächendeckend auf Österreich übertragen wurde. Bis dahin war eine Diagnose meist erst nach Auftreten von Symptomen und nach einem längeren Prozess möglich.

Komplexes Fachgebiet

Die 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie fand zum ersten Mal seit 22 Jahren in Graz statt. Das Ziel der Gesellschaft ist es, die Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Lungenerkrankungen auf höchstem Niveau zu fördern. Anlässlich der Tagung standen neben Asthma bronchiale weitere Erkrankungen wie die Zystische Fibrose, die primäre ziliäre Dyskinesie (eine Störung des bronchialen Selbstreinigungsmechanismus) und das kongenitale zentrale Hypoventilationssyndrom auf der Agenda. Aber auch allgemeinere Themen wie Tabakrauchen unter Kindern und Jugendlichen, das medizinisch und gesundheitspolitisch immer mehr an Bedeutung gewinnt, wurden diskutiert.

Die Pädiatrie ist eines der komplexesten Fachgebiete in der Medizin. In den letzten Jahrzehnten entstanden innerhalb der Pädiatrie hoch spezialisierte und anerkannte Additiv- oder Schwerpunktfächer, so auch das Zusatzfach pädiatrische Pneumologie.

MedUni Graz/IS, Ärzte Woche 17 /2011

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