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Zahngesundheit als oberstes Anliegen (v.l.n.r.): Hon.-Prof. Robert Schlögel, Dr. Judith Glazer, Thomas Schäfer-Elmayer, Dr. Alexander Mory.
Foto: fotodienst / Anna Rauchenberger
Zahngesundheit als oberstes Anliegen (v.l.n.r.): Hon.-Prof. Robert Schlögel, Dr. Judith Glazer, Thomas Schäfer-Elmayer, Dr. Alexander Mory.
 
Zahnheilkunde 2. März 2010

Pubertät ist Hochrisikozeit für Karies

Österreichs Schulärzte starten ein neues Projekt zur Zahngesundheit von Teenagern.

Der Zahngesundheitsstatus bei Kindern und Jugendlichen verbessert sich kontinuierlich. Dennoch nimmt etwa Karies zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr deutlich zu.

Mit dem Projekt Zahngesundheit startet die Österreichische Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte (GSÖ) in Österreich 2010 ihr drittes österreichweites Semesterprojekt. „Schon unser Pilotprojekt zum Thema sexuell übertragbare Erkrankungen im Jahr 2009 war ein Riesenerfolg“, berichtete Dr. Judith Glazer, Präsidentin der GSÖ im Rahmen der Auftaktpressekonferenz am 10. Februar in Wien. „Mehr als 600 Schulen haben die Projektunterlagen angefordert“, freute sich die Schulärztepräsidentin.

Weniger kariöse Zähne

Die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen wurde deshalb für 2010 ausgewählt, weil der österreichische Zahnstatusbericht 2009, der nun erscheint, durchaus nicht nur gute Nachrichten bezüglich der Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen enthält. Zwar sank der Anteil der Jugendlichen mit Karies in den vergangenen zehn Jahren von 84 auf 75 Prozent, und der Anteil kariesfrei-er 18-Jähriger stieg auf 25 Prozent. Allerdings kommen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr pro Jahr immer noch 0,6 kariöse Zahnflächen hinzu. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat als eines ihrer Hauptziele die Kariesfreiheit von 18-Jährigen deklariert. Dieses Ziel hat Österreich noch nicht erreicht, wenn sich die Situation auch deutlich verbes-sert hat: „Wiesen im Untersuchungsjahr 1998 nur 63 Prozent der 18-Jährigen ein vollständiges Gebiss auf, so sind es 2008 immerhin bereits 97 Prozent, die mit einem vollständigen Gebiss ins Erwachsensein starten können“, erläuterte Hon.-Prof. Dr. Robert Schlögel, Sektionschef der Sektion II des Bundesministeriums für Gesundheit.

Karies – ein soziales Problem

Diese doch recht positive Veränderung dürfe aber, so der Experte aus dem Gesundheitsministerium, nicht über ein immer noch virulentes Problem hinwegtäuschen: „Zahngesundheit ist auch heute noch eine Frage der gesellschaftlichen Schicht.“ Die Ergebnisse der Zahngesundheitserhebung zeigen, dass sich rund die Hälfte der Kariesschäden von Kindern und Jugendlichen auf ein knappes, meist sozial schlechter gestelltes Drittel der befragten Personen konzentriert.

Die Pubertät selbst ist aber ganz prinzipiell eine Hochrisikozeit für Karies. Zu diesem Schluss kam auch die Österreichische Schulärztegesellschaft. Denn Jugendliche sind in dieser Zeit einer Gruppenprophylaxe oft nur schwer zugänglich. Mit dem Semesterprojekt „Teens Teeth“ will die GSÖ einen positiven Trend für mehr Aufmerksamkeit auf die Zahngesundheit durch Jugendliche setzen. Gemeinsam mit zahnmedizinischen Experten wurden Materialien erstellt, die von Schulärzten und Lehrern im Unterricht verwendet und an Jugendliche weitergegeben werden können. Für die Jugendlichen stehen ein Jugendmagazin und ein Poster zur Verfügung. Das Internet (www.schulaerzte.at) bietet zudem ein Gewinnspiel für interessierte Jugendliche an. Die Broschüren und Poster sowie weitere Informationsmaterialien können über die oben genannte Website der GSÖ bestellt bzw. heruntergeladen werden.

Um Karies und Paradontitis bei Kindern und Jugendlichen möglichst zu vermeiden, spricht sich der Zahnarzt Dr. Alexander Mory schon bei dieser Zielgruppe für eine regelmäßige professionelle Mundhygiene beim Zahnarzt aus. „Überstehen Jugendliche ihre Pubertät ohne Karies, so bleiben sie sehr häufig auch den Rest ihres Lebens davon verschont“, so Mory.

Benimmregeln für Kaugummikauer

An der Broschüre „Teens Teeth“ hat auch Österreichs Benimmguru Nummer eins, Thomas Schäfer- Elmayer, mitgearbeitet. Für ihn ist Mundhygiene nicht nur wichtig, sie sollte seiner Meinung nach auch mit Stil erfolgen. So stellen etwa zuckerfreie Kaugummis – wenn Zähneputzen gerade nicht möglich ist – für den Wiener Tanzschulchef durchaus eine Möglichkeit dar, für frischen Atem zu sorgen. Allerdings sollten Teenies auch hier einige „Benimmregeln“ beachten: „In meiner Tanzschule herrscht Kaugummiverbot“, berichtete Schäfer-Elmayer: „Die Jugendlichen kommen aus dem Takt, wenn sie beim Tanzen Kaugummi kauen.“ Und entsorgt werden sollte der Gummi auch nicht, indem er einfach auf die Straße geworfen wird, vielmehr sollte er dezent in ein Stück Papier gewickelt und in den nächsten Mistkübel gesteckt werden.

Gemeinsam für die Schüler

„Als Schulärzte wollen wir unsere Rolle an der Schule nutzen, um gemeinsam mit den Lehrern einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsbildung der Schüler zu leisten“, erläuterte Schulärztepräsidentin Ju-dith Glazer: „Wir hoffen, dass auch diesmal viele Schulen unser Angebot wahrnehmen.“

Im Herbst 2010 stellt die GSÖ zum Thema Zahnpflege auch ein Angebot für Volksschulkinder bzw. deren Eltern zur Verfügung.

Von Sabine Fisch, Zahnarzt 3 /2010

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