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© George Doyle/Getty Images/Stockbyte
 
Neurologie 10. Juni 2014

Sonne kurbelt Immunzellen an

Den Einfluss von Sonnenlicht auf die Multiple Sklerose haben Forscher der Universität Münster untersucht. Ihr Fazit: Moderate Sonnenstrahlung hilft dem Immunsystem beim Schutz des Zentralen Nervensystems.

Die Entstehung der Multiplen Sklerose liegt weitgehend im Dunkeln, hat aber offenbar auch mit Helligkeit zu tun: Auffällig ist nämlich, dass Nordeuropäer deutlich häufiger daran erkranken als Menschen, die in Äquatornähe leben. Ziehen Kleinkinder in eine sonnigere Region um, passt sich das MS-Risiko der neuen Umgebung an. Beeinflusst also die Sonneneinstrahlung, das Immunsystem? Eine solche Wirkung sei bei anderen Krankheiten bereits bekannt, berichtet Prof. Karin Loser: „Aus der Behandlung der Schuppenflechte wissen wir, dass UV-Licht eine positive Wirkung auf das Immunsystem hat.“ Ob dies auch für andere Krankheitsbilder gilt, wurde nun sowohl im Tiermodell als auch bei Betroffenen untersucht.

Über einen Zeitraum von sechs Wochen begaben sich neun MS-Patienten regelmäßig in eine eigens dafür konzipierte medizinische Sonnenkammer. „Die Ergebnisse sind erstaunlich“, so Loser. Im Blut und in der Haut der Patienten fanden sich schon nach dem ersten Termin mehr regulatorische T-Zellen und dendritische Zellen als zuvor. Beide Zelltypen schützen das Immunsystem davor, sich bei einer Überreaktion selbst anzugreifen. Parallel konnten bei Mäusen die genauen molekularen Wege entschlüsselt werden, die bei der UV-B-Bestrahlung eine Rolle spielen.

Die induzierten regulatorischen Zellen wandern aus der Haut zum Ort der Entzündung, also ins Blut, in die Knochen oder – wie bei der MS – in das Zentrale Nervensystem. Hier lösen sie eine schützende Reaktion des Immunsystems aus und drosseln so die schädliche Autoimmunität.

Allerdings ließ der Effekt schneller nach als die Sonnenbräune: Wurde die Behandlung auch nur für wenige Tage unterbrochen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunstatus wieder – sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen.

Die Ergebnisse zeigen klar, wie der Umweltfaktor UV-Licht die Entstehung und den Verlauf der Multiplen Sklerose beeinflusst. „Es gibt offenbar eine Achse zwischen Haut und Nervensystem. UV-B-Strahlung hat einen Einfluss auf die Immuntoleranz im Nervensystem. Der Einfluss ist kurzfristig, umkehrbar und geht weit über Effekte von Vitamin D allein hinaus“, schlussfolgert Prof. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie in Münster. Einen Ansatz für eine konkrete neue Therapie sehen die Studienautoren in den Erkenntnissen noch nicht, allerdings könnten diese dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten von MS zu erweitern und zu verbessern.

Breuer J et al.: UVB light attenuates the systemic immune response in CNS autoimmunity; Annals of Neurol. 2014; online 13. Mai

WWU Münster, Ärzte Woche 24/2014

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