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Wenn ein Kind dauerhaft traurig ist, nicht spielen will oder lustlos in der Ecke sitzt, sollte man genauer hinschauen.
 

Sorgenfreie Kindheit – eine Illusion

Depressionen bei Vorschulkindern sind erschreckend häufig, aber gut behandelbar.

In Leipzig wurde ein gesamter Kindergartenjahrgang auf Angst- und Depressionssymptome untersucht. Dabei wurden bei zwölf Prozent der Kinder erhöhte Ängstlichkeit und depressive Verstimmtheit festgestellt. Eine neue Kurzzeittherapie, die bereits im Vorschulalter gegensteuert, zeigte bemerkenswerte Erfolge.

Wenn ein Fünfjähriger im Kindergarten wenig Interesse zeigt, sich am Spiel zu beteiligen, wird er zunächst kaum auffallen. „Die Aufmerksamkeit liegt eher auf Hyperaktivität und Aggression“, so Prof. Kai von Klitzing, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Leipzig. „Wenn ein Kind jedoch dauerhaft traurig ist, nicht spielen will oder lustlos in der Ecke sitzt, sollte man genauer hinschauen. Denn erwachsene depressive Menschen berichten häufig, dass ihre Krankheit schon im Kindesalter begann.“

Das Team um Klitzing forscht seit sieben Jahren zum Thema Depression im Kindesalter. Ziel ist die Früherkennung dieser Krankheit, die schwerwiegende soziale und ökonomische Folgen für die Gesellschaft hat.

Hohe Zahl an auffälligen Kindern

Aktuell haben die Wissenschaftler in Leipzig auch die Eltern des Kindergartenjahrgangs nach Angst- und Depressionssymptomen bei ihren Kindern befragt. Demnach wiesen über 200 der untersuchten Kinder (zwölf Prozent) erhöhte Ängstlichkeit und depressive Verstimmtheit auf. Die Entwicklung etwa der Hälfte dieser Kinder war sogar schon stärker beeinträchtigt.

Lagen Symptome wie Traurigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit oder Spielhemmung vor, wurden Kinder wie Eltern zu einer vertieften kinderpsychiatrischen Diagnostik eingeladen. Parallel wurde eine Kontrollgruppe untersucht, bei denen die Anzeichen nicht auftraten. Das Zusammentreffen von beeinträchtigender Angst und deutlichen Depressionszeichen konnte vom Forscherteam so als ein wichtiges Risikoprofil identifiziert werden.

Genetische und soziale Faktoren

Besonders betroffen sind Kinder, deren Eltern selbst unter einer Depression leiden. Ein höheres Risiko haben aber auch diejenigen, die negative Lebenserfahrungen, wie Misshandlung und Vernachlässigung, schon in der frühen Kindheit erlebten. Andere Faktoren sind auch das Zerbrechen von Familien und früher Leistungsdruck.

„Psychische Krankheiten sind in der Gesellschaft heute anerkannter als früher“, so der Psychotherapeut. „Dennoch glauben viele, die Kindheit sei sorgenfrei. Das ist aber eine Illusion.“ Dabei betont Klitzing, dass nicht jedes Kind, das ängstlich ist, gleichzeitig depressiv wird. Phobische Symptome wie Angst vor Dunkelheit oder großen Tieren seien genauso normal wie die anfängliche Angst und Traurigkeit, sich morgens vor dem Kindergarten von den Eltern zu trennen. „Ich finde es wichtig, die zu identifizieren, die wirklich leiden und echte Entwicklungsprobleme haben.“

Neu entwickelte Kurzzeittherapie

Um rasch behandeln und einer Verstetigung vorbeugen zu können, hat Klitzing zusammen mit seiner Kollegin, der Diplompsychologin Tanja Göttken, eine psychoanalytische Kurzzeitbehandlung für Kinder von vier bis zehn Jahren entwickelt und wissenschaftlich erforscht. In 25 Therapie-Sitzungen, von denen fünf mit und 20 ohne Eltern stattfinden, werden in Gesprächen und im Spiel unverarbeitete Konflikte des Kindes herausgearbeitet. „Es geht nicht darum, einfach die Symptome zu beseitigen, sondern für Kind und Eltern besser verständlich zu machen, welche ungelösten Entwicklungsaufgaben hinter den Symptomen stehen“, erläutert Klitzing. In der Konfliktbearbeitung kommen sehr häufig Themen wie Trennung und Schuld auf. „Kinder fühlen sich rasch schuldig, wenn es Schwierigkeiten in der Familie wie Partnerschaftsprobleme oder Krankheit der Eltern gibt. Tief innerlich empfinden sie, dass es ihnen nicht besser gehen darf als den Eltern.“

Die Behandlung zeigte in einer kürzlich veröffentlichten ersten Studie an 30 Kindern erstaunliche Erfolge: Bei allen Kindern verminderten sich die Symptome im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich, mehr als die Hälfte der Kinder war am Ende sogar völlig störungsfrei. Für die Therapeuten eine durchaus zufriedenstellende Entwicklung, die auch über sechs Monate nach Therapieende anhielt. „Dennoch wird ein Teil der Kinder eine längere psychotherapeutische Behandlung benötigen, um sich auch langfristig gesund entwickeln zu können.“

Originalpublikationen:

Klitzing K et al.: J Child Psychol Psychiatry 2014; epub ahead of print

Göttken T et al.: Psychotherapy (Chic.) 2014; 51 (1): 148–58

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