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Gastroenterologie 11. April 2014

Rohmilch ist nicht zu empfehlen

Patienten mit Laktoseintoleranz sollten nicht versuchen, sich mithilfe einer Rohmilch-Diät Erleichterung für ihre Darmbeschwerden zu verschaffen. Diese wird zwar vielfach propagiert; eine Pilotstudie liefert jetzt jedoch enttäuschende Ergebnisse.

Die Vorstellung, dass Rohmilch bei Laktoseintoleranz helfen könnte, beruht auf folgender Prämisse: Die in der unpasteurisierten Milch enthaltenen Mikroorganismen sollen die Laktoseverdauung im Dünndarm unterstützen und somit verhindern, dass der Milchzucker in den Dickdarm gelangt. Vielversprechende Ergebnisse liegen bislang nur für unpasteurisiertes Joghurt vor. Mit Rohmilch scheint das dagegen nicht zu funktionieren.

16 Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen einer Laktoseintoleranz bekamen jeweils für acht Tage drei unterschiedliche Milchsorten zu trinken: Rohmilch, pasteurisierte Vollmilch und als Referenzprodukt Sojamilch. Auf jeden Zyklus mit einer Milchsorte folgte eine Auswasch-Phase von einer Woche, dann wurde zur nächsten Sorte übergegangen.

Wie Mummah et al. berichten, war nach dem Rohmilch-Konsum nicht nur die Wasserstoffproduktion, gemessen am H2-Gehalt in der Ausatemluft, ungebremst, auch die Beschwerden hielten unvermindert an: Die Rohmilch konnte weder Flatulenz noch Durchfall noch Darmgeräusche noch Krämpfe spürbar bessern. Die stärksten Beschwerden korrelierten dabei mit der größten Menge konsumierter Milch .

Größere Studien müssen nun folgen, um die Ergebnisse zu verifizieren. Vorerst bleibt als Fazit: Entgegen anderslautenden Expertenmeinungen gibt es bei Patienten mit Laktoseintoleranz keine Grundlage, Rohmilch zu empfehlen. 

Mummah S et al.: Ann Fam Med 2014; 12 (2): 134–141

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 16/2014

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